"Spin-Off": Wenn aus Studenten Unternehmer werden
zuletzt aktualisiert: 31.07.2007 - 16:19Bochum/Kiel (RPO). Studenten bleiben nicht ewig Studenten. Irgendwann möchten sie auch mal das große Geld verdienen. Dann gibt es die Möglichkeit eines "Spin-Off". Unter dem Begriff verstehen Börsianer die Ausgliederung von Unternehmensteilen als eigenständige Firma. Dann werden aus Studenten Unternehmer.
Die Ruhr-Universität Bochum kann eine lange Liste von Ausgründungen verzeichnen. Neben deutsch-afrikanischem Projektmanagement mit Schwerpunkt Straßenbau und einer Aus- und Weiterbildungsakademie hebt sich besonders die Protagen AG aus den Bereichen Proteinanalytik, Protein-Biochips und Informatik hervor. Das in Dortmund angesiedelte Unternehmen, welches heute 25 Mitarbeiter beschäftigt, begann vor 10 Jahren als GbR mit vier Personen in den Räumlichkeiten der Bochumer Uni.
"Wir konnten die sehr teuren Analysegeräte nutzen und hatten mit Prof. Helmut Meyer einen renommierten Experten im Gründungsteam", erzählt Martin Blüggel, Mitgründer und leitender Geschäftsführer des Unternehmens. Meyer sitzt im Aufsichtsrat der 1999 neugegründeten Aktiengesellschaft - und die Protagen AG dient weiterhin als Paradebeispiel der Rubitec GmbH. Die Gesellschaft für Innovation und Technologie der Ruhr-Universität kümmert sich um die Technologie- und Patentverwertung bei Ausgründungen, unterstützt Produkt- und Verfahrensentwicklungen und qualifiziert Studenten für ein mögliches "Spin-off".
"Das Patentrecht liegt an der Uni"
Unter dem Begriff verstehen Börsianer die Ausgliederung von Unternehmensteilen als eigenständige Firma. Im universitären Bereich steht er für einen Wissenstransfer von der Forschung in die Praxis und wird immer häufiger begleitet von eigenen Lehrstühlen wie dem Gründungs- und Innovationsmanagement der Universität Kiel. "Der Spin-Off Gedanke kommt aus den USA", erklärt Felix Riesenhuber. Der Mitarbeiter der Uni Kiel hat seine Doktorarbeit zum Thema Ausgründungen aus Forschungseinrichtungen geschrieben.
Das Anmelden und Vermarkten von Patentrechten ist nur der Anfang. Jeder Mitarbeiter der Universität, der seine Erfindung kommerzialisieren möchte, sollte wissen: "Das Patentrecht liegt an der Uni", sagt Diplom-Wirtschaftsingenieur Riesenhuber. Nicht immer ist die Universität bereit, dieses Recht auch auszuüben. Manchmal fehlen ihr schlicht das Geld, der Glaube an die Marktfähigkeit des Patents oder das Personal, es zu vermarkten: "Sämtliche Erfindungen kommen bei uns auf den Tisch", sagt Silke Brandt, Rubitec-Projektmanagerin. "Nehmen wir ein Patent für die Hochschule an, haben wir auch die Pflicht, es an den Mann zu bringen."
Für wen lohnt sich Spin-Off?
Der Gründer kann in diesem Fall Lizenznehmer der Universität werden. Aber er ist damit noch lange nicht Unternehmer. Davor steht die Frage, ob die patentierte Technologie den Kunden tatsächlich interessante und bezahlbare Lösungen bringt. Für die Klärung dieser Frage setzt die Christian-Albrechts-Universität Studenten ein: Im Rahmen eines Gründungspraktikums untersuchen angehende Wirtschaftswissenschaftler, für welche Produkte sich die Technologie des Spin-offs am besten eignet.
Auch wenn das Augenmerk der Universitäten auf die technische Gründungen gerichtet ist, weil sich damit am ehesten Geld verdienen lässt, gibt es auch solche von Geisteswissenschaftlern. Das reicht von der Gründung einer Sprachschule bis zur interkulturellen Beratung - nur läuft das in der Regel nicht unter dem Begriff Spin-Off: "Das ist ja nicht mit dem Patentrecht verbunden, das kriegen wir hier gar nicht mit", erklärt Silke Brandt.
Weitere Informationen: www.uni-kiel.de/gruendung, www2.tu-berlin.de/presse/pi/2006/pi126.htm, www.rubitec.de, www.protagen.de
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