Ab 2007: Wieder Schulnoten für Betragen
VON KATJA SCHÖNHERR UND JENS VOSS - zuletzt aktualisiert: 23.03.2006 - 10:05Düsseldorf (RP). Die Wirtschaft fordert es, und auch viele Experten sind dafür, das Arbeits- und Sozialverhalten der Schüler zu würdigen. Ab 2007 wird es in Nordrhein-Westfalen wieder Kopfnoten geben.
"Pünktlichkeit, Anstand und Fleiß sind keine Sekundärtugenden, sondern Voraussetzung für ein selbstbestimmtes Leben", betonte NRW-Ministerpräsident Rüttgers am Mittwochabend anlässlich des 175-jährigen Bestehens der IHK Duisburg und Niederrhein. Der Regierungschef flankierte mit seiner Äußerung indirekt die Expertenanhörung zum Thema Kopfnoten im Düsseldorfer Landtag.
Im Regierungsentwurf für das neue Schulgesetz sind vier Notenstufen zum Arbeits- und Sozialverhalten vorgesehen. Bisher sind folgende Kriterien für die Benotung genannt: 1. Lern- und Leistungsbereitschaft; 2. Zuverlässigkeit, Sorgfalt und Konzentrationsfähigkeit, 3. Ausdauer und Belastbarkeit; 4. Verantwortungsbereitschaft und Selbstständigkeit; 5. Kreativität und Flexibilität; 6. Kooperations- und Teamfähigkeit; 7. Konfliktfähigkeit und Toleranz. Vorgesehen ist, dass jede Schule entscheiden kann, ob sie die Noten durch Berichte ergänzt. Bedenken gegen Unklarheiten
Von Kopfnoten sei ein positiver Effekt für die Sozialisation, das Einbinden in zivilisierte Umgangsformen zu erwarten, sagte Schulentwicklungsforscher Peter Brenner bei der Anhörung im Landtag. Die Bedenken der Experten zielten auf Unklarheiten der Kriterien, auf unzureichende Diagnose-Fähigkeiten der Lehrer und die Noten-Form an sich.
"Hält sich einer an Regeln?"
Es sei kaum möglich, das von Fach zu Fach unterschiedliche Verhalten von Schülern in Noten zu pressen, sagte etwa Peter Blomert, Gesamtschulleiter aus Mönchengladbach, „Kopfnoten laufen Gefahr, zu reiner Willkür zu verkommen“. Ebenso strikt gegen Kopfnoten: die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Benachteiligte Schüler würden ein weiteres Mal benachteiligt, sagte GEW-Sprecherin Marianne Demmer.
Schulforscher Brenner hingegen betonte, man dürfe das Thema so hoch nicht hängen. Es gehe um überschaubare Fragen wie „Hält sich einer an Regeln?“ Unterstützt wurde er von dem Kölner Schulleiter Heinz Klein, an dessen Hauptschule Kopfnoten mit Zustimmung der Eltern eingeführt worden seien. „Es geht etwa darum, ob jemand regelmäßig seine Schulsachen mitbringt“, betonte er.
Die Wirtschaft begrüßt den Plan der Regierung. „Wir brauchen Kopfnoten, um die Aussagekraft der Zeugnisse zu erhöhen“, sagte Martina Ernst von der Vereinigung der IHK unserer Zeitung. „Wenn jemand notorisch unpünktlich ist, dann geht davon, dass er es schwarz auf weiß bescheinigt bekommt, auch eine erzieherische Wirkung aus.“ Sie forderte, Noten durch Erläuterungen zu ergänzen. Zur Vermeidung von Willkür sei es wichtig, „dass mehrere Lehrer zusammen den Jugendlichen ganzheitlich ins Auge fassen“.
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