Forderung des Gießener Biologiedidaktikers Ziemek: Wissenschaftliches Denken schon im Kindergarten fördern
zuletzt aktualisiert: 16.10.2003 - 10:44Wetzlar (rpo). Bereits im Kindergartenalter sollten der Nachwuchs in Deutschland zum wissenschaftlichen Denken erzogen werden. Diese Forderung stellt der Gießener Biologiedidaktikers Hans-Peter Ziemek auf.
"Natürlich wollen wir nicht die Molekularbiologie in den Kindergarten verfrachten - aber die Grundlagen des Problemlösens müssen viel früher geschaffen werden als derzeit", sagte Ziemek am Dienstag in einem dpa-Gespräch.
Der Forscher ist einer der Referenten bei der Tagung "Umweltbildung in Tageseinrichtungen für Kinder" am Mittwoch in Wetzlar.
"Viele Schüler in der 13. Klasse gehen in ähnlicher Weise an ein naturwissenschaftliches Problem heran wie Grundschüler", kritisierte Ziemek das bisherige System. Wenn der Biologieunterricht erst in der fünften Klasse starte, müssten Lehrer den "schon demotivierten Schülern" das Fach nahe bringen.
"Und ganz hart trifft es die Chemie- und Physik-Kollegen, die in der siebten oder achten Klasse mit pubertierenden Jugendlichen zu tun haben."
In einer Vorschule oder im Kindergarten könnten Kinder zum Beispiel Merkmale von Pflanzen miteinander vergleichen. "Vierjährige werden kein Bestimmungsbuch zur Hand nehmen, aber so lernen sie erste wissenschaftliche Schritte." Auch "Vorformen" des Wiegens und Messens - etwa der Wasser- oder Lufttemperatur - seien sinnvoll, sagte Ziemek.
Auf keinen Fall sollten Kinder aber mit falschen Erklärungen abgespeist werden: "Auf die Frage nach dem Blätterfallen im Herbst mit Frau Holle zu antworten, die Farbe herunterschüttet, das hilft den Kindern bei ihrer Suche nach einem Weltbild nicht weiter."
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