Serie: NRW-Unis im Vergleich (4): Wuppertal ist gut für Gründer
VON ARNE LIEB - zuletzt aktualisiert: 25.02.2010 - 15:34Wuppertal (RPO). Wer später mal ein Unternehmen aufbauen will, ist in Wuppertal gut aufgehoben. Seit Jahren wird die Bergische Universität für eine interdisziplinäre Einrichtung in der Wirtschaftswissenschaft ausgezeichnet, die Studenten auf künftige Selbstständigkeit vorbereiten soll.
Überhaupt sind die Wirtschaftswissenschaften ein Aushängeschild der Uni, was auch ein Verdienst des jungen Rektors Lambert T. Koch ist. Koch gilt als engagierter Uni-Leiter: Bei der aktuellen Wahl zum „Rektor des Jahres” des Deutschen Hochschulverbands belegte er den zweiten Platz.
Wuppertal ist aber keine reine Wirtschaftsuniversität. Das Studienangebot der Hochschule, die erst 1972 unter dem aus Wuppertal stammenden Ministerpräsidenten Johannes Rau gegründete wurde, ist sehr breit. Etwa 70 Fächer werden angeboten, von Architektur über Germanistik bis Physik. Einen Schwerpunkt bildet die Lehrerausbildung, die im Moment durch die Gründung einer „School of Education” nach den Vorgaben des Landes umstrukturiert wird.
Außerdem bietet Wuppertal einige Nischenfächer wie Sicherheitstechnik, Industrial Design sowie mehrere spezielle Wirtschaftsingenieur-Studiengänge. Im kommenden Wintersemester startet ein Bachelor-Studiengang in Gesundheitsmanagement, der Master folgt später.
Die Uni verfügt über einen vergleichsweise guten Betreuungsschlüssel: Auf 13.500 Studierende kommen 280 Professoren. Viele Studienfächer sind immer noch zulassungsfrei oder mit einem Vergleichsweise niedrigen NC versehen, so dass man auch ohne sehr gutes Abitur in Wuppertal studieren kann. Um die Qualität der Lehre ist es aber nach den Ergebnissen des aktuellen Hochschul-Rankings des CHE nicht überall gut bestellt. Nur das Fach Architektur wurde in mehr als einer Kategorie in die deutschlandweite Spitzengruppe eingeteilt, die meisten Fächer erhielten in keiner Kategorie eine Spitzenwertung).
Gegen ein Studium in Wuppertal spricht auch, dass es relativ teuer ist: Die Studiengebühren betragen durchweg 500 Euro, das ist der höchstmögliche Betrag in NRW. Durch das von der Landesregierung initiierte Stipendienprogramm wurden seit 2009 60 Stipendien ermöglicht, die zur Hälfte vom Land und von Sponsoren getragen werden. Der Etat der Uni liegt derzeit bei 110 Millionen Euro, dazu kommen 23 Millionen Euro Drittmittel.
Bislang bietet die Uni den Studierenden dafür ein breites Sportprogramm. Das könnte allerdings bald unter den drastischen Sparmaßnahmen der Stadt leiden wie auch andere Bereiche des Uni-Umfelds. Von den diskutierten Kürzungen in der hoch verschuldeten Stadt, denen unter anderem das Schauspielhaus und einige Schwimmbäder zum Opfer fallen sollen, ist die Universität zwar nicht unmittelbar betroffen. Allerdings heißt es von der Hochschule, man fürchte um die Attraktivität des Standorts, wenn die Stadt soziale und kulturelle Einrichtungen schließt.
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