Leopoldina: Deutschlands erste Nationale Akademie der Wissenschaften
zuletzt aktualisiert: 14.07.2008 - 15:18Halle (RPO). Die Leopoldina in Halle an der Saale ist seit Montag Deutschlands erste Nationale Akademie der Wissenschaften. An der Feier nahm auch Bundespräsident Horst Köhler teil. Unter anderem soll die Institution die Politik beraten und deutsche Akademien in internationalen Gremien vertreten.
Bundesforschungsministerin Annette Schavan übertrug der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina in Halle an der Saale bei einem Festakt offiziell die Aufgaben und Funktion einer Nationalakademie. An der feierlichen Zeremonie mit 600 Gästen aus Wissenschaft, Politik und Wirtschaft nahm auch Bundespräsident Horst Köhler teil, der die Schirmherrschaft übernommen hat.
Die Leopoldina ist die älteste ununterbrochen existierende medizinisch-naturwissenschaftliche Akademie der Welt. Im Februar hatten Schavan und ihre Länderkollegen entschieden, ihr die Aufgabe einer Nationalakademie zuzusprechen, wie es sie in anderen europäischen Ländern und den USA gibt. Im Zusammenwirken mit acht von Ländern getragenen Akademien der Wissenschaften sowie der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften (acatech) soll sie die Politik beraten und die deutschen Akademien in internationalen Gremien repräsentieren.
In der Ernennungsurkunde wird auf die Tradition der 1652 in Schweinfurt gegründeten und 1677 von Kaiser Leopold I. zur Reichsakademie erhobenen Leopoldina verwiesen. Schavan erklärte, ihre Stärke und Qualität, ihre Ausstrahlungskraft und ihr internationales Ansehen hätten die Leopoldina in die Rolle einer Nationalen Akademie hineinwachsen lassen.
Internationalität als Charakteristikum
Köhler würdigte die mehr als 350-jährige Tradition der Leopoldina, herausragende Wissenschaftler zu versammeln. Als Nationale Akademie lägen nun neue und anspruchsvolle Aufgaben vor ihr. "Als freie und unabhängige Gelehrtengesellschaft soll sie die Wissenschaft in Deutschland auf internationalen Bühnen vertreten und zugleich hierzulande Politik und Gesellschaft beraten." Als guter Ratgeber müsse die Wissenschaft ihren eigenen Prinzipien treu bleiben, "offen sein für Widerspruch, transparent in ihrem Vorgehen und bereit, eigene Interessen zurückzustellen", sowie ihre unabhängige Rolle wahren.
Der Dialog zwischen Wissenschaft, Politik und Gesellschaft dürfe angesichts der globalen Herausforderungen an geografischen Grenzen nicht Halt machen. "Internationalität ist von jeher ein Charakteristikum der Wissenschaft im Allgemeinen und der Leopoldina im Besonderen", betonte Köhler und verwies darauf, dass ein Viertel ihrer Mitglieder nicht aus dem deutschsprachigen Raum komme. Die derzeit etwa 1.300 Mitglieder der Leopoldina stammen zu 85 Prozent aus Medizin und Naturwissenschaften und zu 15 Prozent aus den empirischen Geistes-, Verhaltens- und Sozialwissenschaften und wirken in 28 Sektionen der Akademie.
Koordinierungsgremium setzt Arbeitsgruppen ein
Leopoldina-Präsident Volker Ter Meulen versicherte, dass die Nationalakademie die wissenschaftsbasierte Gesellschafts- und Politikbratung gemeinsam mit acatech und den Länderakademien wahrnehmen werde, damit alle Wissenschaftsdisziplinen angemessen repräsentiert seien. Ein paritätisch besetztes Koordinierungsgremium wird sich über zu bearbeitende Themen verständigen, Arbeitsgruppen einsetzen und Empfehlungen verabschieden.
In diesen Empfehlungen sei "grundsätzlich das zum jeweiligen Zeitpunkt verfügbare Wissen zu berücksichtigen, unabhängig vom Grad des herrschenden Zeitgeists, um so politische Diskussionen und gesellschaftliche Diskurse kritisch zu begleiten", sagte ter Meulen. Wichtige Themen seien Klimaveränderung, Energieerzeugung, Ernährung, Gesundheit und Bildung im 21. Jahrhundert.
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