Premiere gelungen: Der Airbus A380 erobert die Lüfte
zuletzt aktualisiert: 27.04.2005 - 14:46Toulouse (rpo). Der Airbus A380 hat hat seinen ersten Junfernflug mit Bravour bestanden. Genau drei Stunden und 54 Minuten nach dem Bilderbuch-Start landete der Airbus sicher in Toulouse. Während die Piloten die Flugeigenschaften des A380 in höchsten Tönen loben, würdigte die Bundesregierung die "exzellenten Zusammenarbeit" in der europäischen Luftfahrtindustrie.
Der Jungfernflug verlief nach Angaben der Piloten ohne Probleme. "Das war ein überaus erfolgreicher Erstflug, und wir haben jede Minute davon genossen", erklärte Flugkapitän Claude Lelaie. "Natürlich gibt es noch viel zu tun, doch nach dieser ersten Erfahrung können wir das Potenzial dieser großartigen Maschine nun so richtig spüren." Airbus-Cheftestpilot Jacques Rosay fügte hinzu: "Während der ersten Minute des Flugs waren wir beeindruckt davon, wie einfach sich das Flugzeug fliegen lässt - genau so, wie wir es schon im Simulator empfunden hatten."
Die Sicherheitsvorkehrungen für die A380-Crew waren hoch. Die sechs Besatzungsmitglieder trugen Fallschirme, ein Geländer führt vom Cockpit zu einem Notausgang.
Die Europäer haben mit dem Jungfernflug der A380 nach Ansicht von Luftfahrtexperten nun erstmals die sechzigjährige Vorherrschaft der Amerikaner in der internationalen Luftfahrt gebrochen. Allerdings muss sich der gewonnene Vorsprung der Europäer vor dem amerikanischen Erzrivalen Boeing bei den Großraumflugzeugen noch in barer Münze niederschlagen. Skeptiker vertreten die Ansicht, dass Airbus mit seinem neuen Koloss eine falsche Strategie verfolgt.
154 Bestellungen und 15 Optionen liegen bisher für die A380 vor. Ab 250 verkauften Maschinen soll der Gigant, der bislang rund zehn Milliarden Euro Projektkosten verschlang, in die Gewinnzone fliegen. 700 Stück will Airbus insgesamt bauen. Der erste Linieneinsatz soll 2006 bei Singapore Airlines folgen.
Während Airbus darauf setzt, dass es in Zukunft bei riesigen Umsteigeflughäfen bleibt und die Passagiere für die A380, die in ihrer Standardversion 555 Fluggäste aufnehmen kann, in kleinen Zubringermaschinen herbeigeflogen werden, verfolgt Konkurrent Boeing eine andere Strategie. Die Amerikaner haben den Wettkampf um das größte Flugzeug aufgegeben und setzen stattdessen auf ihr neues Langstreckenflugzeug 787 "Dreamliner" mit 223 bis 296 Sitzen. Sie gehen davon aus, dass die Kunden in Zukunft viel mehr Direktverbindungen zwischen zwei Städten nachfragen. Dafür wäre die 787 ideal.
"Fantastische Leistung"
Bei Airbus stand am Mittwoch aber Stolz und Freude über das Erreichte im Vordergrund. Konzernchef Noel Forgeard gratulierte den Entwicklern und Testpiloten zu der "fantastischen kollektiven Leistung". Der französische Staatspräsident Jacques Chirac sprach von einem neuen Kapitel der Luftfahrtgeschichte. EU-Industriekommissar Günter Verheugen bezeichnete den Jungfernflug als europäische Erfolgsgeschichte. Der Luft- und Raumfahrtkoordinator der Bundesregierung, Ditmar Staffelt, war sichtlich begeistert: "Es ist sensationell mitzuerleben, wie dieser Koloss von der Startbahn abhebt".
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