Airbus 380: "Ein Gigant schwebt sanft durch die Lüfte"
zuletzt aktualisiert: 27.04.2005 - 20:44Toulouse (rpo). Der Jungfernflug des Airbus A380 war ein voller Erfolg. Während die Piloten von den Flugeigenschaften des Riesen schwärmen, waren auch die Zuschauer am Flughafen vollkommen begeistert. Trotz seiner 421 Tonnen Gewicht, machte der A380 einen eleganten Eindruck.
Die sechsköpfige Crew erlebt den Start als "absolut perfekt", wie aus den Funkkontakten hervorgeht. Der 55-jährige Testpilot Jacques Rosay erläutert den Luftfahrt-Fans am Boden, wie sich der Jungfernflug anlässt. "Das Flugverhalten ist genauso wie im Simulator", gibt er durch. Die Maschine sei auf die geplante Flughöhe von 3000 Metern aufgestiegen und habe dort das Fahrwerk eingefahren. Aufmerksamen Betrachtern fällt ein Stein vom Herzen. Denn das Fahrwerk war noch Minuten nach dem Start zu sehen, was ebenso gut auf eine schwere Panne hätte hindeuten können. Airbus-Technikchef Alain Garcia bestätigt, das späte Einfahren sei "so vorgesehen" gewesen.
"Das ist ein bewegendes Ereignis", befindet der deutsche Ingenieur Thomas Vogt, der seit acht Jahren bei Airbus in Toulouse arbeitet und den Jungfernflug des A380 auf keinen Fall verpassen wollte. Er hat an seinem Wohnmobil eine deutsche und eine französische Flagge gehisst, auf den Sonnenblenden feuert er den Supervogel an: "Fly, baby, fly". "Wir dachten, er wäre plump", sagt ein Rentner aus der Charante über den nunmehr größten Passagierjet der Welt. "Aber nein, er ist elegant."
Was die Zuschauer am Rande des Rollfelds am meisten beeindruckt, sind die vielen Superlative. Mit seinen 73 Metern ist der A380 länger als der Jumbo Jet von Boeing, er ist auch höher und hat eine größere Spannweite. Der US-Rivale bietet standardmäßig 416 Passagieren Platz, der A380 hingegen 555, bei engerer Bestuhlung gar bis zu 840. Seit acht Jahren haben die Airbus-Teams an diesem Giganten gefeilt. Nun bekommen sie großes Lob von Unternehmenschef Noël Forgeard, der den Erstflug als Ergebnis einer "großartigen gemeinsamen Anstrengung" ansieht. Wenn alles nach Plan läuft, wird der A380 im kommenden Sommer erstmals an Singapore Airlines ausgeliefert werden können.
Forgeard vertritt mit Verve, der A380 sei ein "extrem leises" Flugzeug. Auch zahlreiche Betrachter auf der Tribüne an der Piste hatten diesen Eindruck. Für Überraschung sorgt vor allem das Verhältnis zwischen den Dimensionen des schwergewichtigen Fliegers und der Lärmentwicklung. Lärmgegner Joël Ravenel hat sich mit seinen Messgeräten in der Flugschneise platziert und vermeldet immerhin 88 Dezibel. Künftige Messungen werden Genaueres ergeben, ohnehin dürfte es noch Monate dauern, bis Airbus Fluglizenzen beantragt. Zuvor muss der A380 noch einige Härtetests über sich ergehen lassen.
Der A380 sei ein "ausgezeichnetes Flugzeug", befindet Versuchspilot Rosay, nachdem die Maschine eine Ehrenrunde hinter sich gebracht hat und sanft gelandet ist. "Wie ein Fahrrad" lasse sich der Riesen-Airbus lenken. "Alles hat sehr gut geklappt", freut sich auch der deutsche Bordingenieur Manfred Birnfeld, der mit Sonnenbrille nach getaner Arbeit am Rollfeld steht. "Es gab kein einziges größeres Problem."
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