Toulouse: Erstflug des A380 für letzte April-Woche geplant
zuletzt aktualisiert: 19.04.2005 - 12:42Toulouse (rpo). Das neue Großraumflugzeug A380 des Flugzeugherstellers Airbus soll in der letzten April-Woche seinen Jungfernflug erleben. "Der erste Flug des A380 ist für die Woche ab dem 25. April vorgesehen", teilte Airbus am Dienstag mit.
Allerdings legte sich das Unternehmen noch immer nicht auf einen konkreten Tag fest. Zuletzt hatte die Tochter des europäischen Luftfahrt- und Rüstungskonzerns EADS den Jungfernflug für die zweite April-Hälfte angekündigt.
Airbus-Chef Noel Forgeard hatte bereits Anfang des Monats Spekulationen zurückgewiesen, die Verschiebung des ursprünglich für März geplanten Jungfernflugs könnte den Zeitplan für die Erstauslieferung 2006 durcheinander bringen. Bei einem so langfristig angelegten Projekt komme es auf "ein paar Tage oder Wochen" nicht an, sagte der Manager.
Das mit 555 Sitzplätzen größte Passagierflugzeug der Welt war Mitte Januar der Öffentlichkeit vorgestellt worden. Für den A380 liegen nach Unternehmensangaben bislang 154 Bestellungen von 15 Kunden vor.
Eigentlich sollte der neue Gigant der Lüfte schon im März erstmals abheben, aber bei den Dimensionen dieses Projekts muss schon ein bisschen Spiel drin sein: Für die kommende Woche ist im südfranzösischen Toulouse nun der Jungfernflug des größten Passagierflugzeugs aller Zeiten angekündigt.
Nach acht Jahren Vorlaufzeit und Entwicklungsausgaben von zehn Milliarden Dollar (rund 7,7 Milliarden Euro) soll der A380 des europäischen Airbus-Konzerns seine 600-Tonnen-Last erstmals in den Himmel über Toulouse hieven. Die sechsköpfige Crew um die französischen Testpiloten Claude Lelaie und Jacques Rosay, zu der auch der deutsche Bordingenieur Manfred Birnfeld zählt, kann es kaum mehr erwarten. Das genaue Datum des Jungfernflugs hängt aber von Wind und Wetter ab.
"Ein Erstflug ist immer eine neue Phase", sagt der 55-jährige Testpilot Rosay. "Der Entwurf ist geschafft, nun geht es um die konkrete Ausführung." Der Tag des ersten Fluges werde ohne Zweifel "ein Tag der Überraschungen sein, aber nicht unbedingt der spekatulären Art", spielt er die Bedeutung des Ereignisses zugleich ein wenig herunter.
Der Jungfernflug eines neuen Flugzeugtyps werde stets von großer öffentlicher Aufmerksamkeit begleitet, sei aber im Verhältnis zu all' den erforderlichen Tests vor der Erteilung der Flugerlaubnis nur die Spitze eines Eisberges. Um die Risiken zu minimieren, soll der A380 seinen Jungfernflug nur bei optimaler Sicht und günstigen Windverhältnissen starten. Dann wird er 2300 Flugstunden lang getestet.
"Beim Erstflug machen wir nur ganz einfache Sachen", erläutert Rosays Kollege Lelaie zwischen zwei Rolltests. "Wir überprüfen das Fahrwerk, die Beschleunigung und das Einfahren der Bremsklappen." Auch nach Hunderten von Stunden am Flugsimulator seien kleine Überraschungen unvermeidlich. Lelaie weiß, wovon er redet.
Er hat 7500 Testflugstunden hinter sich, darunter Jungfernflüge mit dem A319 und dem A340-600. Das beeindruckende Gewicht des neuen Königs der Lüfte scheint die Testpiloten kalt zu lassen. Als der US-Konkurrent Boeing in den 70er Jahren den Jumbo B747 gestartet habe, sei das ein Sprung von 150 Tonnen auf das Doppelte gewesen, sagt Rosay. "Wir steigern uns mit dem A380 von 400 und rund 600 Tonnen, das ist ein kleinerer Sprung."
Die ersten vier Flugzeuge aus der A-380-Serie hat Airbus ausschließlich für Tests eingeplant. Beim Jungfernflug geht jener Vogel an den Start, der am 18. Januar mit großem Pomp und Politiker-Auflauf der Weltöffentlichkeit präsentiert wurde. Im A380 Nummer 1 sind an Stelle der Passagiersessel 20 Tonnen Sensoren, Sender und Rechenmaschinen platziert.
Nach dem Erstflug sollen in späteren Phasen Probleme durchgespielt werden, etwa Triebwerksschäden und Start- oder Beschleunigungsschwierigkeiten. Die zweite Test-Maschine soll dazu herhalten, die Reichweite von rund 15.000 Kilometern auszureizen und die Startphase zu optimieren. Die dritte und vierte Maschine bilden den Übergang zum regulären Fluggast-Betrieb, sind also mit Sitzen bestückt.
Läuft alles nach Plan, wird der A380 Nummer 4 im Frühjahr 2006 erstmals Test-Passagiere an Bord nehmen. Die Maschine wird dann mit gut 500 Insassen in Richtung Asien oder in den Nahen Osten aufbrechen, die Fluggäste werden Bordverpflegung und Toiletten testen, aber keine Tickets lösen. Denn zuvor muss Airbus erst die Fluggenehmigungen der europäischen und amerikanischen Aufsichtsbehörden erhalten.
Dazu dienen auch die Ausdauertests, die mit Hilfe von Schraubwinden ab diesem Sommer in Dresden ausgeführt werden. Sie sollen bestätigen, dass der A380 zumindest 5000 Starts und Landungen aushält, bevor im Sommer der erste Riesen-Airbus zur kommerziellen Nutzung an die Singapore Airlines ausgeliefert wird. Dann erst beginnt für die Fluggäste weltweit eine neue Ära der Luftfahrt.
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