Teilchenbeschleuniger: Experiment macht Angst vor dem Weltuntergang
zuletzt aktualisiert: 10.09.2008 - 07:21Genf (RP). Der Super-Teilchenbeschleuniger LHC startet am Mittwoch unter Schweizer und französischem Boden. Dieses Experiment schürt selbst bei Experten die Angst vor dem Weltuntergang.
Physiker weltweit erhoffen sich von der gigantischen Maschine in einem 27 Kilometer langen Tunnel im schweizerisch-französischen Grenzgebiet Antworten auf grundlegende Fragen nach Ursprung und Aufbau der Welt.
Mehr als 50 Meter unter der Erde wollen die Wissenschaftler Elementarteilchen fast mit Lichtgeschwindigkeit aufeinander schießen und dabei eine Glut entstehen lassen, wie sie unmittelbar nach dem Urknall herrschte, also bei der Geburt des Universums.
Zunächst werden die Protonen-Strahlen aber in einer Richtung durch den auf minus 271 Grad heruntergekühlten Beschleuniger geschickt. Kollisionen wird es erst geben, wenn die Anlage stabil läuft.
Die Forscher machen sich mit dem vier Milliarden Euro teuren LHC auf die Suche nach dem Higgs-Teilchen, ohne das die Elementarteilchen der bislang gültigen Theorie zufolge keine Masse hätten. Entdecken die Physiker am europäischen Teilchenphysikzentrums CERN dieses "Gottesteilchen", kann sich dessen Namensgeber, der britische Physiker Peter Higgs, Hoffnungen auf den Nobelpreis machen.
Angst wegen undurchdachten Annahmen
Doch die bahnbrechenden Experimente schüren auch Angst. Allerdings sind das Schreckensszenarien, geboren aus undurchdachten Annahmen, mit denen die Angst vor dem LHC geschürt wird. So viel Angst, dass Physiker Morddrohungen erhalten und der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte die Zustimmung zum Start des Super-Beschleunigers geben musste.
Vor allem haben die Kritiker Angst vor Schwarzen Löcher im Mini-Format. Ihre großen Verwandten im Weltall konzentrieren so viel Masse auf einen Punkt, dass ihrer Schwerkraft nichts entkommt. Noch nicht einmal Licht. Die Kritiker befürchten nun, dass die Mini-Varianten der Schwarzen Löcher im LHC mit ihrer Schwerkraft die gesamte Erde zerreißen.
Dabei übersehen sie eins: Wenn sie recht hätten, würde es uns längst nicht mehr geben. Denn die Energien im Teilchenbeschleuniger sind nichts im Vergleich zu den Energien, mit denen kosmische Teilchen täglich auf unsere Atmosphäre treffen.
Die Physiker im Cern werfen quasi mit Kieselsteinen, während die Natur gewaltige Felsen schleudert. Und doch ist nie ein Schwarzes Loch in unserer Atmosphäre entstanden oder die Erde untergegangen.
Damit Schwarze Löcher im LHC entstehen, muss zudem die Stringtheorie stimmen. Dafür gibt es bisher kaum Indizien. Davon abgesehen müssten diese Mini-Löcher nach Berechnungen des britischen Astrophysikers Stephen Hawking umgehend verdampfen oder schlichtweg verhungern.
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