"Digitaler Organismus": Forscher verpassen Rechner Intelligenz
zuletzt aktualisiert: 21.10.2005 - 15:44Karlsruhe (rpo). Computer sind bekanntlich ausgesprochen vielseitig. Sie führen Verkaufsverhandlungen, organisieren Auktionen oder übernehmen die Steuerung von Maschinen. Eines können sie allerdings bislang nicht: Eine neue Aufgabe erkennen und flexibel darauf reagieren. Doch soll sich nun allerdings ändern.
Bisher leisteten Computer lediglich die Arbeit, für die sie programmiert wurden. Ändert sich der Auftrag, musste umprogrammiert werden. An der Universität Karlsruhe will jetzt eine sechsköpfige Forschergruppe bestehend aus Informatikern, Elektrotechnikern und Biologen Rechnern Intelligenz verpassen. Bei der Entwicklung des intelligenten Computers orientieren sich die Wissenschaftler nach Angaben der Hochschule zu großen Teilen an bewährten Mechanismen des menschlichen Körpers.
Als Untersuchungsobjekt dient der Forschungsgruppe ein Industrie-Roboter. Er soll später in der Lage sein, eigenständig zu entscheiden, welche Aufgabe im Moment am sinnvollsten ist und diese ohne neue Programmierung in Angriff nehmen. Fehlt beispielsweise ein Zwischenprodukt, entscheidet künftig der Roboter, wann er mit dessen Fertigung anfängt. "Wir möchten, dass sich ein Rechner selbstständig an verschiedene Situationen anpasst", sagt Jürgen Becker, der Sprecher des Forschungsvorhabens. "So wird die Effizienz des Fertigungsprozesses gesteigert."
Die Forschergruppe plant, die Steuerung des Rechners an ausgewählte Mechanismen im menschlichen Körper anzulehnen. So soll die künftige Maschine ebenfalls aus Zellen, Organen und einem Gehirn aufgebaut werden. Entsprechend bezeichnen die Wissenschaftler ihr Projekt auch als den "digitalen Organismus".
Zellen bilden die kleinste Einheit
Wie beim menschlichen Körper sollen auch beim intelligenten Computer Zellen die kleinste Einheit bilden - in der Maschine sind dies einzelne Prozessorelemente. Sie müssen sich gegenseitig verständigen und andere Zellen bei Bedarf ersetzen können - analog eines Zellverbands bei Säugetieren. Weiter müssen diese Zellen jederzeit rekonfigurierbar sein, dürfen also keine unveränderbaren Informationen enthalten. Becker: "Nur dadurch kann der digitale Organismus flexibel und schnell genug auf Anforderungen von außen reagieren."
Die zweite Hierarchieebene gestalten die Karlsruher Wissenschaftler in Anlehnung an die Organe des menschlichen Körpers. Einzelne Zellen der ersten Ebene schließen sich zu so genannten "Organ-Verbänden" zusammen und übernehmen eine aktuelle Aufgabe. Den "Befehl" für den Zusammenschluss erhalten sie über "virtuelle Botenstoffe" in Form elektronischer Botschaften. Über die Organe wacht - wieder analog zum Menschen - auf oberster Ebene das Gehirn. Die digitale Schaltzentrale erkennt die Anforderungen der Umwelt sowie den inneren Systemzustand und gibt dementsprechend die Befehle an die darunter liegenden Ebenen weiter.
Erste Ergebnisse des Forschungsprojektes werden nach Angaben der Universität in etwa vier Jahren erwartet.
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