Schwerelosigkeit getestet: Hier übt Stephen Hawking schon mal fürs Weltall
zuletzt aktualisiert: 27.04.2007 - 17:00Cape Canaveral (RPO). Stephen Hawking, der geniale Astrophysiker gefangen in einem kranken Körper. Er leidet an Lateralsklerose, einer unheilbaren Nervenkrankheit. Stoppen lassen will er sich nicht. Der Forscher plant, in zwei Jahren mit einer Rakete ins All zu starten. Jetzt übte der 65-Jährige schon mal die Schwerelosigkeit. Und war begeistert wie ein kleiner Junge.
"Es war wundervoll", sagte der Wissenschaftler anschließend. "Ich hätte immer weiter machen können." Hawking wollte sich mit dem wenige Minuten dauernden Flug auf eine Raketenreise ins Weltall vorbereiten, die er für 2009 plant.
Begleitet von vier Ärzten und zwei Krankenschwestern war der fast vollständig gelähmte Hawking zu dem zweistündigen Achterbahnflug abgehoben. Speziell ausgebildete Piloten brachten das Flugzeug im 45-Grad-Winkel in 10.000 Meter Höhe, bevor sie es im kontrollierten Sturzflug 2500 Meter in die Tiefe sacken ließen und so für etwa 30 Sekunden die Schwerkraft aufgehoben wurde. Hawking ließ sich während des Flugs bei Erreichen der Schwerelosigkeit aus seinem Rollstuhl heben. Die Piloten wiederholten die Prozedur acht Mal und ließen den Astrophysiker so insgesamt vier Minuten die Schwerelosigkeit genießen.
"Ich habe lange darauf gewartet, ins Weltall zu fliegen"
Hawking sagte nach dem Erlebnis, er sei der Raumfahrt nun näher gekommen. "Ich habe lange darauf gewartet, ins Weltall zu fliegen", sagte er. "Ein Schwerelosigkeitsflug ist der erste Schritt dorthin. Ich hoffe, viele Menschen werden in meine Fußstapfen treten." Er wolle das öffentliche Interesse für die Raumfahrt steigern, sagte der Wissenschaftler. "Ich denke, die Menschheit hat keine Zukunft, wenn sie nicht ins Weltall fliegt." Das Leben auf der Erde sei angesichts des Klimawandels, des Atomkriegsrisikos oder der Gefahr eines genetisch erzeugten Virus zunehmend vom Aussterben bedroht.
Hawking selbst will 2009 nach eigenen Angaben mit einer Virgin-Galactic-Rakete des britischen Unternehmers Richard Branson ins All fliegen. Die Experimentalflüge werden von der Weltraum-Reiseagentur Zero Gravity normalerweise für 3500 Dollar (knapp 2600 Euro) angeboten, Hawking wurde allerdings von dem Unternehmen eingeladen. Die acht weiteren Plätze waren für einen wohltätigen Zweck versteigert worden. Auf einem Testflug am Mittwoch war ein 14-jähriger Junge für den Wissenschaftler eingesprungen.
Hawking hat zahlreiche preisgekrönte Arbeiten zur Weltraumforschung veröffentlicht. Sein Buch "Eine kurze Geschichte der Zeit" wurde in vielen Sprachen zum Bestseller. Im All war der Ausnahmewissenschaftler bislang aber nur in Gedanken. Hawking leidet seit Jahrzehnten an Amyotropher Lateralsklerose, einer Nervenkrankheit, bei der die Muskeln nach und nach absterben. Er sitzt im Rollstuhl und kann sich nur mit Hilfe eines Sprachcomputers verständigen.
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