Energieverbrauch: Nächtliche Jagd auf Wärmebilder
zuletzt aktualisiert: 23.03.2007 - 19:16Düsseldorf (RP). Die Infrarot-Kamera bringt bei Nacht an den Tag, wo an Fassaden die Energie unnötig verpufft. Kritische Stellen wie undichte Fenster, Heizkörpernischen und Rolllädenkästen leuchten auf den Bilder dann in grellem Rot auf.
Nicht jeder, der das Licht scheut, hat finstere Absichten. Wenn Thermografen den Wärmelöchern in Gebäuden auf die Spur kommen wollen, müssen sie warten, bis die Sonne untergegangen ist, und mit ihrer Arbeit aufhören, wenn die Sonne aufgeht. Die vom Zentralgestirn unseres Planetensystems auf die Fassade gelieferte Wärme verfälscht das Ergebnis der Suche nach Luft-Leckagen, Wärmebrücken und anderen Energie fressenden Mängeln an der Gebäudekonstruktion.
Jörg Albert und sein Mitarbeiter Andreas Hanke haben sich dick vermummt in Winterkleidung an ihre Arbeit gemacht. Denn gute Thermografien lassen sich nur bei Temperaturen unter fünf Grad machen. Deshalb begeistert der Hauch von Neuschnee die beiden Experten, als sie vor dem Duisburger Stadttheater ihre über 40\x0e000 Euro teure Infrarot-Kamera auspacken. Die Besucher von Wagners „Fliegendem Holländer” haben das Gebäude mit dem eindrucksvollen Säulenportal längst verlassen, aber im Foyer ist es noch immer mollig warm. Das beweisen die Kontraste auf dem Bildschirm der Kamera, die wie ein Bündel von Temperaturfühlern funktioniert.
Aussagekräftige Bilder über Stellen, an denen die Wärme entweicht, gelingen erst ab einem Temperatur-Unterschied von zehn, besser 15 Grad zwischen Innen und Außen. Dann zeichnen sich auf der thermografierten Fassade die Schwachstellen deutlich ab. Die kritischen Punkte dabei sind undichte Fenster, Heizkörpernischen, Rollädenkästen oder knapp unter der Fassadenoberfläche verlegte Warmwasserleitungen (!).
Diese Stellen sind einige Grad wärmer als die übrige Fassade und werden auf der Thermografie meist rot eingefärbt dargestellt., kühlere Flächen hingegen blau. Diese „Falschfarben” sind ein Zugeständnis an den von uns gefühlten Zusammenhang zwischen Temperatur und Farbe. Für die Kamera sind die Temperatur-Differenzen freilich nur elektromagnetische Strahlung unterschiedlicher Wellenlänge, der sich durch Software nach Belieben bestimmte Farben (oder auch Grautöne) zuordnen lassen.
Das Stadttheater und das Rathaus sind für Albert und Hanke lediglich Fingerübungen. In der Hauptsache geht es ihnen darum, im Auftrag der Duisburger Stadtwerke möglichst viele durchschnittliche Gebäude vor die Spezial-Linse zu bekommen. Obwohl der Verkauf von Energie ihr Geschäft ist, stecken die Stadtwerke eine Menge Geld in ein Projekt, das ihren Kunden Energie sparen helfen soll. Denn der Hauseigentümer, der eine Thermografie bestellt, bezahlt nur 150 Euro. Von den hochspezialisierten Kameraleuten bekommt er dafür mindestens zehn Wärmebilder seines Hauses und einen 20-seitigen Bericht, der beim Deuten der Bilder hilft und Hinweise für die Sanierung gibt.
Zurück in die kalte Nacht. Beim Erstellen der Aufnahmen stapfen die beiden Vermummten über fremde Grundstücke, um Ansichten des Gebäudes aus möglichst jedem Winkel auf den Speicher-Chip der Kamera zu bannen. Albert weiß nicht, wie oft er trotz vorheriger Anmeldung bei den Bestellern schon den Ruf „Eh’, watt machen Sie denn da?!?” von Nachbarn gehört hat. Geduldiges Aufklären ist dann angesagt. Fünfmal pro Saison (seit sechs Jahren thermografiert der Energie-Ingenieur) schaut auch die Polizei nach dem Rechten. Dann hilft der offizielle Brief der Stadtwerke (Albert: unser „Papst-Brief”), Zweifel an den lauteren Absichten des Teams zu zerstreuen.
Wenn die Tage wärmer werden, kann sich der Thermograf wieder in einen Energieberater (der er natürlich auch im Winter ist) verwandeln und die vielen bunten Bilder auswerten. Es ist entscheidend, was der Fachmann dann aus dem Material herausliest. Denn auch bei Wärmebildern gibt es so etwas wie eine optische Täuschung etwa durch die Reflexion eines Baumes im Rücken des Thermografen oder scheinbare Wärmebrücken unter dem Dachüberstand (in Wirklichkeit staut sich unter dem Dach die an der Fassade aufsteigende Wärme).
Eintönige Färbung heißt: Erfolg
Die Aufnahmen müssen letztlich vom Fachmann ausgedeutet werden wie ein Röntgenbild vom Arzt. Anders als trockene Berechnungen über Energieverbrauch und energetische Schwachstellen sind Thermo-Bilder aber höchst anschaulich. Besonders dann, wenn nach erfolgreicher „Therapie” ein neues Wärmebild gemacht wird. Eintönige Färbung steht dann für den Erfolg. Den wollen sich immer mehr Kunden dokumentieren lassen. Im Büro Albert machen diese Erfolgs-Checks bereits zehn Prozent der Thermografien aus.
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