Deutscher Peter Grünberg bekommt Auszeichnung: Physik-Nobelpreis für kleine Festplatten
zuletzt aktualisiert: 09.10.2007 - 13:03Stockholm (RPO). Der Nobelpreis für Physik geht in diesem Jahr an den Deutschen Peter Grünberg und den Franzosen Albert Fert. Die beiden werden für die Entdeckung des Riesenmagnetowiderstands ausgezeichnet. Dieser ermöglicht den Bau kleiner Festplatten etwa für MP3-Player.
Wie die Königlich Schwedische Akademie der Wissenschaften am Dienstag in Stockholm mitteilte, werden beide Forscher für die Entdeckung des Riesenmagnetowiderstandes (GMR) ausgezeichnet. Ihre Grundlagenforschung trug dazu bei, dass es deutlich kompaktere und leistungsfähigere Festplatten gibt. Mit der Auszeichnung tritt der 68-jährige Grünberg in die Fußstapfen berühmter deutscher Physik-Nobelpreisträger wie Wilhelm-Conrad Röntgen, Max Planck, Albert Einstein und Werner Heisenberg.
"Dieses Jahr zeichnet der Nobelpreis für Physik eine neue Technik aus, mit der die auf Computer-Festplatten gespeicherten Datenmengen ausgelesen werden", erklärte die Königlich Schwedische Akademie. Dank dieser Technik seien Festplatten in den vergangenen Jahren erheblich verkleinert und zugleich mit wesentlich größerer Speicherkapazität angeboten worden.
Grünberg arbeitet am Forschungszentrum Jülich, der ein Jahr ältere Fert an einer gemeinsamen Sonderforschungseinheit der Pariser Universität und des Unternehmens Thales. Beide entdeckten den GMR-Effekt unabhängig voneinander 1988. Der Effekt ermöglichte die Entwicklung neuer Leseköpfe in kleinen Computerfestplatten. Dadurch konnte die Speicherkapazität der Laufwerke nicht nur für PCs, sondern auch für Videorecorder und tragbare Musikabspielgeräte (MP3-Player) in den Gigabyte-Bereich gesteigert werden. Grünberg und Fert gelten als Gründerväter der Spin-Elektronik.
"Magnetische Sandwiches"
Das Forschungszentrum Jülich, für das Grünberg drei Jahrzehnte lang gearbeitet hatte, erklärt den GMR-Effekt an Hand sogenannter magnetischer "Sandwiches" aus mindestens drei "Stockwerken". Dabei werden magnetische Schichten, zum Beispiel aus Eisen, durch eine hauchdünne nichtmagnetische Schicht etwa aus Chrom getrennt. Die äußerst präzise Technik ermöglicht demnach eine deutlich bessere Nutzung kleinster Magnetzellen eines Speichermediums.
Der neueste deutsche Nobelpreisträger heißt mit vollem Namen Peter Andreas Grünberg. Er wurde am 18. Mai 1939 in Pilsen im heutigen Tschechien geboren. Seine Eltern zogen 1946 ins hessische Lauterbach. Nach Studium in Frankfurt am Main und Darmstadt absolvierte Grünberg Forschungsaufenthalte unter anderem in Kanada, den USA und Japan.
Mit seiner Frau Helma hat er drei Kinder; die jüngste Tochter des Paares wurde 1981 geboren. Für seine Forschungen wurde Grünberg bereits mehrfach ausgezeichnet, unter anderem als Europäischer Erfinder des Jahres 2006. 1998 gewann er den Deutschen Zukunftspreis des Bundespräsidenten, erst im Januar den Japan-Preis 2007.
Im vergangenen Jahr hatten die US-Wissenschaftler John C. Mather und George F. Smoot den Physik-Nobelpreis für ihre Arbeiten über die Entstehung der Galaxis und der Sterne erhalten. Die Nobelpreise sind auch in diesem Jahr mit zehn Millionen schwedischen Kronen (1,42 Millionen Euro) dotiert.
Nordrhein-Westfalens Innovationsminister Andreas Pinkwart (FDP) gratulierte Grünberg. Sein Nobelpreis sei "eine großartige Anerkennung der herausragenden wissenschaftlichen Arbeit dieses Ausnahmewissenschaftlers", erklärte Pinkwart in Düsseldorf. "Forscherpersönlichkeiten wie Peter Grünberg haben nicht nur eine enorme wissenschaftliche Expertise, sondern auch das Charisma, um ihre Leidenschaft und Begeisterung für ihr Forschungsthema zu vermitteln und weiterzugeben."
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