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DNA-Test soll Rätsel lüften: Vaterschaftstest für Tutanchamun

VON CHRISTOPHE DE ROQUEFEUIL, AFP - zuletzt aktualisiert: 15.02.2010 - 13:51

Kairo (RPO). Wer waren die Eltern von Tutanchamun? Seitdem der britische Forscher Howard Carter 1922 das Grab des legendären Kindpharaos im Tal der Könige entdeckte, streiten die Gelehrten über seine Abstammung. Ein Gen-Test, dessen mit Spannung erwartete Ergebnisse am Mittwoch in Kairo veröffentlicht werden, soll nun Gewissheit bringen. Doch einige Experten zweifeln schon jetzt daran, ob der Streit damit endgültig beendet werden kann.

Tutanchamun lebte vor rund 3300 Jahren. Er bestieg den Thron im Alter von nur neun Jahren und starb zehn Jahre später unter rätselhaften Umständen. Er ist weltbekannt, weil sein Grab eines der wenigen aus der Pharaonenzeit ist, das nicht geplündert wurde. Dort fand sich unter anderem seine goldene Totenmaske, die zu einem der wichtigsten Zeugnisse der Pharaonenzeit wurde.

Noch 2001 hatte Ägypten das Angebot japanischer Forscher abgelehnt, einen "Vaterschaftstest" mit Gen-Proben von Tutanchamun zu machen. Dabei ging es wohl um das nationale Prestige. Inzwischen gibt es ein mit Spenden finanziertes Gen-Labor im Museum von Kairo. Dessen Analysen würden am Mittwoch endlich "die Familiengeheimnisse" von Tutanchamun lüften, verspricht der medienerfahrene Chef der ägyptischen Altertumsverwaltung, Sahi Hawass.

Der Großteil der Altertumsforscher geht davon aus, dass Tutanchamun Sohn des Pharaos Echnaton (Amenophis IV.) war. Einige Experten vermuten aber auch dessen Vorgänger, Amenophis III., oder Echnatons Nachfolger, Semenchkare, als Vater. Nofretete, die Hauptfrau von Echnaton wird dagegen teils als Tutanchamuns Mutter angegeben, aber auch Kija, eine Nebenfrau des Pharaos. Oder handelte es sich um eine Frau, die dem jungen Pharao offiziell als Amme diente?

Im August 2008 erklärten die ägyptischen Behörden, sie hätten auch DNA-Proben von zwei Föten genommen, die gleichfalls im Grab im Tal der Könige lagen. Bluttests haben eine Abstammung von Tutanchamun bereits als wahrscheinlich erscheinen lassen. Am Mittwoch könnten Gentests auch Gewissheit über die möglichen Nachkommen des Pharaos und seiner Frau Ankhesenamun bringen.

Er sei "ungeduldig", das Ergebnis des Tests zu hören, sagt der US-Archäologe Raymond Johnson, der in Luxor arbeitet. "In anderen Fällen haben sich diese Analysen als sehr nützlich erwiesen, um genetische Beziehungen aufzuzeigen." So konnten das in Alkohol aufbewahrte Herz des französischen Thronfolgers Ludwig XVII. eindeutig identifiziert werden, dessen Vater, Ludwig XVI. während der Französischen Revolution hingerichtet wurde. Auch bei der Familie des russischen Zaren Nikolaus II., die während Oktoberrevolution getötet wurde, brachte die Erbgut-Analyse Gewissheit.

Aber auch wenn der einbalsamierte Körper von Tutanchamun relativ gut erhalten ist, zweifeln einige Spezialisten daran, ob der Test bei der tausende Jahre alten Leiche zum Erfolg führen kann. "Das Hauptproblem besteht darin, eine verlässliche DNA für so alte Überreste zu bekommen", sagt Michel Wuttmann vom französischen Archäologie-Forschungsinstitut IFAO in Kairo. Denn der Pharao wurde nach seinem Tod über Monate wahrscheinlich durch dutzende Menschen einbalsamiert, die ihre eigenen Genspuren hinterlassen haben könnten.

Ein Hindernis ist auch, dass Vergleiche mit dem Genmaterial mutmaßlicher Väter und Mütter von Tutanchamun mit Zweifeln behaftet sind. Es gebe "Unsicherheit zur Identität einer gewissen Zahl von Mumien", sagt der französische Forscher Marc Gabolde von der Universität von Montpellier. Wuttmann zufolge wurde das Erbgut vieler Mumien auch durch die Durchleuchtung mit Röntgenstrahlen stark beschädigt.

Kritisch sieht der Vorgänger von Hawass, Abdel Halim Nureddin, den "Vaterschaftstest". Er könne nicht sagen, "ob die DNA-Tests wirkliche Ergebnisse bei Mumien von mehr als 3500 Jahren Alter bringen können", sagt der Archäologie-Professor an der Universität von Kairo. "DNA-Tests reichen in der Archäologie nicht aus. Andere archäologische Beweise sind notwendig, die es uns mit Sicherheit ermöglichen, den Stammbaum von Tutanchamun zu erstellen."

Quelle: AFP

 
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