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Schwarze Löcher könnten entstehen: Zerstört ein Experiment die Erde?

VON LUDWIG JOVANOVIC - zuletzt aktualisiert: 12.04.2008 - 11:50

Genf (RP). In zwei Monaten beginnt nahe Genf das größte Experiment der Menschheit: Ein gewaltiger Teilchenbeschleuniger sucht nach Antworten auf die Frage, was die Welt zusammen hält. Doch Kritiker fürchten um den Fortbestand der Erde – und haben Gerichte eingeschaltet.

Am Maihimmel sind spannende Sachen zu sehen, darunter auch eine Mondfinsternis.  Foto: RPO
Am Maihimmel sind spannende Sachen zu sehen, darunter auch eine Mondfinsternis. Foto: RPO

Ende Juni beginnt das größte Unternehmen der Menschheit – 100 Meter unter der Erde auf einem knapp 27 Kilometer langen Teilchenbeschleuniger-Ring bei Genf. Dort arbeiten mehr als 6000 Wissenschaftler aus 50 Nationen am LHC, dem „Large Hadron Collidor“. Mit ihm möchten sich die Physiker an den Urknall, der Geburtsstunde unseres Universums, herantasten.

Dafür werden Wasserstoffkerne, Protonen, auf 99,9999991 Prozent der Lichtgeschwindigkeit beschleunigt – um sie miteinander kollidieren zu lassen. Das reißt die Protonen auseinander. Die dabei entstehenden Fragmente erlauben einen Blick auf Zustände, wie sie Sekundenbruchteile nach dem Urknall herrschten. Doch einige Kritiker befürchten, dass das Experiment aus dem Ruder läuft und die Erde zerstört. Per Gerichtsentschluss versuchen sie, den Start des Beschleunigers zu verhindern.

Wovor haben die Kritiker Angst?

Bei dem Experiment könnten Schwarze Löcher im Mini-Format entstehen. Ihre großen Verwandten im Weltall konzentrieren so viel Masse auf einen Punkt, dass ihrer Schwerkraft nichts entkommt. Noch nicht einmal Licht. Die Kritiker befürchten nun, dass die Mini-Varianten der Schwarzen Löcher im LHC mit ihrer Schwerkraft die gesamte Erde zerreißen.

Ist die Angst berechtigt?

Tatsächlich gibt es eine geringe Wahrscheinlichkeit, dass sich ein Schwarzes Loch bildet. Allerdings nur, wenn die Stringtheorie stimmt. Die sagt neben Länge, Höhe, Breite und Zeit noch weitere Dimensionen voraus. Bei den Teilchencrashs im LHC könnten diese zusätzlichen Dimensionen aufbrechen. Die Masseanziehung der Protonen würde dann auf engstem Raum schlagartig in die Höhe schnellen, ein Schwarzes Loch könnte entstehen.

Könnten diese Schwarzen Löcher die Welt vernichten?

Kaum – weil sie fast sofort, nach einigen Zehntel Billionstel-, Billionstel-Sekunden, wieder zerfallen: Am Rand der Schwarzen Löcher entstehen Pärchen von Teilchen. Eins davon wird von der Schwerkraft eingefangen. Das andere kann entweichen. Die Energie dafür entzieht das Teilchen aber dem Schwarzen Loch. Der britische Physiker Stephen Hawking hat diesen Effekt berechnet, der nach ihm Hawking-Strahlung heißt. Sie lässt ein Schwarzes Loch um so schneller verdampfen, je kleiner und masseärmer es ist. Und im LHC sind die theoretisch möglichen Löcher sehr klein und massearm

Könnte das Schwarze Loch aber nicht doch stabil sein?

Selbst wenn, sind die Löcher so klein, dass sich nichts in ihrer Nähe aufhält. Sie würden auf der Stelle energetisch verhungern.

Trotzdem klingt es nach einer Gefahr?

Die Schwarzen Löcher entstehen nur, wenn die Stringtheorie stimmt. Dafür gibt es bisher kaum Indizien. Zudem sind die Energien im LHC sehr klein im Vergleich zu kosmischen Kräften. Die Wissenschaftler werfen sozusagen mit Kieselsteinen, während die Natur große Zementblöcke um sich schmeißt. Mit der kosmischen Strahlung aus den Weiten des Universums, die in jeder Sekunde die Erde trifft. Die Energie, die sie in der Atmosphäre frei setzt, ist um einiges größer als alles, das im LHC erzeugt wird. Wenn im Teilchenbeschleuniger Schwarze Löcher entstehen, würden sich auch täglich in unserer Atmosphäre Schwarze Löcher bilden. Trotzdem existiert die Erde seit Milliarden von Jahren.

Gibt es noch andere Gefahren?

Theoretisch könnten sich „Strangelets“ bilden. So genannte „seltsame Teilchen“, die in einigen seltenen Fällen aus normaler Teilchen ebenfalls Strangelets macht. Ihre Existenz indes wurde noch nicht einmal andeutungsweise nachgewiesen.

Was ist mit radioaktiver Strahlung?

Die entsteht tatsächlich. Allerdings befindet sich der Teilchenbeschleuniger 100 Meter unter der Erde. Die Strahlung schafft es kaum bis zur Oberfläche. Zum Vergleich: Natürliche Radioaktivität belastet den Menschen mit bis zu 4000 Mikrosievert pro Jahr. Der LHC setzt nur zehn Mikrosievert frei. Alleine während eines Hin- und Rückflug von Frankfurt nach Los Angeles nimmt man das Zehnfache auf.

Quelle: RP

 
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