Neue Studie: Fremdgehen macht Männer depressiv
VON JÖRG ZITTLAU - zuletzt aktualisiert: 24.05.2006 - 10:14Düsseldorf (RP). Wenn es um Untreue geht, klaffen Wunschdenken und Realität weit auseinander. So halten in Deutschland 90 Prozent der Männer und sogar 95 Prozent der Frauen Treue in einer Beziehung für wichtig. Doch als Leipziger und Hamburger Forscher vor drei Jahren 2.500 Paare - mit anonymisierten Fragebögen - nach deren tatsächlichem Seitensprungverhalten fragten, zeigte sich: In 30 Prozent dieser Beziehungen war einer der Partner fremdgegangen, in zehn Prozent der Fälle waren sich beide untreu geworden. Ein Fünftel der Fremdgänger hatte sogar schon mindestens drei Affären gehabt.
Typische Zeichen für eine Gesellschaft, in der konventionelle Partnerschaftsregeln immer mehr an Verbindlichkeit verlieren? Wohl kaum. Denn eine neue Studie unter Leitung des Göttinger Psychologen Ragnar Beer an 3334 betrogenen Männer und Frauen beweist nun: Der Seitensprung tut nach wie vor höllisch weh. Und es dauert lange, bis seine Wunden verheilt sind. So berichten fast zwei Drittel der Gehörnten, dass sich ihnen selbst ein halbes Jahr nach dem Vorfall immer noch Bilder ins Bewusstsein drängen, auf denen sie sich den Partner bei Seitensprungaktionen vorstellen.
Frauen empfinden Hass
Viele werden neurotisch, meiden die Orte, an denen sie von ihrem Partner betrogen wurden. Die Hälfte der betrogenen Frauen suchen in den Taschen, der Post oder auf dem Handy ihres Partners nach Hinweisen darauf, dass er sie immer noch oder schon wieder hintergeht.
Männer machen so etwas seltener, sie finden offenbar eher wieder zum Vertrauen in ihre Lebensgefährtin zurück. Was aber nicht heißen soll, dass sie generell cooler mit dem Seitensprungproblem umgehen. Fast die Hälfte von ihnen leidet unter Depressionen, nervösen Störungen und abstumpfenden Emotionen, von Schuldgefühlen werden sie sogar weitaus öfter geplagt als die betrogenen Frauen.
Frauen werden mehr vom Zorn auf den fremdgehenden Partner getragen. Fast ein Viertel von ihnen empfindet ihm gegenüber einen tiefen Hass; bei den Männern hingegen ist es nur etwa jeder Zehnte, der angibt, seine Frau zu hassen.
Die männliche Wut richtet sich eher auf den Nebenbuhler, der ihnen die Frau abspenstig gemacht hat. Was nichts anderes heißt als: Der gehörnte Mann leidet weniger daran, dass ihn seine Partnerin verlassen hat, als daran, dass einer seiner Geschlechtsgenossen sie gewonnen und ihn damit ausgestochen hat.
Der Wettkampf zwischen Männern, er wird eben immer und überall ausgetragen.
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