Serie "Zurück zur Natur" (7): Gelber Müll in die graue Tonne
VON DETLEV HÜWEL - zuletzt aktualisiert: 17.07.2006 - 14:33Düsseldorf (RP). Die Deutschen sind Weltmeister - jedenfalls beim Mülltrennen: braune Tonne für den Bioabfall, gelbe für den Kunststoff („Leichtstoffverpackungen“) und die graue Tonne für den Rest. Dazu Container für Glas und Papier. Macht das alles so noch Sinn? Nein, meint die NRW-FDP. Sie will die Bürger teilweise vom Sortierzwang befreien und ist jetzt mit einem Antrag im Landtag vorgeprescht.
Die Sortier- und Verwertungsanlagen seien mittlerweile so hoch entwickelt, dass Plastikmüll nicht mehr vom Bürger aussortiert werden müsse, behauptet der FDP-Umweltexperte Holger Ellerbrock. Im Gespräch mit unserer Zeitung verweist er auf eine Pilotanlage in Essen mit einer fünf Mal höheren Verwertungsquote als bei „handverlesener“ Trennung. In Großstädten funktioniere das „händische Trennen“ ohnehin längst nicht so gut wie auf dem Land, sagt er. In den Städten landen angeblich bis zu 50 Prozent aller Verkaufsverpackungen in der grauen Tonne. „Weil es in der Stadt an sozialen Kontrollen fehlt und teilweise auch am entsprechenden Bewusstsein.“
Dank moderner Sortiertechnik könne man den Inhalt von grauer und gelber Tonne bedenkenlos zusammenkippen, meint Ellerbrock. Also Gelb in Grau? „Nein umgekehrt.“ Was wie ein Wortspiel wirkt, ist in Wirklichkeit politisches Programm: Die graue Tonne, so Ellerbrock, stehe für kommunale Zuständigkeit, die gelbe Tonne hingegen - wegen des Dualen Systems - für Privatwirtschaft. Die FDP wolle die Abfallwirtschaft gänzlich privatisieren - also Grau in Gelb.
Auch im NRW-Umweltministerium macht man sich Gedanken über die Zukunft der gelben Tonne. Mit den neuen Sortieranlagen habe es einen „großen technischen Schub“ gegeben, so Christel Wies, Referatsleiterin im Bereich Siedlungsabfall. Das Ergebnis kann eine deutlich höhere Wertstoff-Ausbeute im Vergleich zur Trennung von Hand sein. Kann - muss aber nicht. Dies hängt von den örtlichen Rahmenbedingungen ab, vor allem von Art und Ausstattung der bestehenden Sammelsysteme und Sortier-Anlagen.
Deshalb sind Großversuche, wie sie jetzt auch in mehreren NRW-Kommunen erwogen werden, nicht unumstritten. Dort, wo es solche Versuche bereits gegeben hat wie in Rheinland-Pfalz oder Leipzig, sei das Ergebnis keineswegs eindeutig ausgefallen, so Christel Wies. Für die Bürger in NRW wird es einstweilen wohl beim Getrennt-Sammeln bleiben. SPD und Grüne haben den FDP-Vorstoß bereits in die Tonne gehauen.
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