Heute wird entschieden: "Herdprämie" - Favorit für Unwort des Jahres
zuletzt aktualisiert: 15.01.2008 - 08:32Frankfurt (RP). Heute wird das "Unwort des Jahres" 2007 präsentiert. Bis zum Einsendeschluss am 7. Januar waren mehr als 1000 Vorschläge bei der Jury eingegangen. Als Favorit gilt das Wort "Herdprämie". Mit dieser Wortschöpfung würden Mütter beleidigt, die ihre Kinder zu Hause erziehen wollten, sagte der Initiator des Wettbewerbs, Professor Horst Dieter Schlosser.
Das Wort war vor allem von Familienpolitikern der SPD und der Grünen benutzt worden, um die Elterngeld-Pläne der Unionsparteien zu kritisieren.
Bei der mittlerweile 17. sprachkritischen Aktion sind eine Reihe weiterer unwort-verdächtiger Vorschläge eingegangen. Gute Chancen haben die Begriffe "klimaneutrale Flüge", "Hausaufgabenclub", "Mumienpornografie" und "grundrechtsschonende Überwachungspraxis". Ebenfalls gut im Rennen liegen der "Bundestrojaner" als "Umschreibung für amtliche Viren in privaten Computern für Online-Durchsuchungen".
Und auch der Begriff "Präventionsstaat" sei Einsendern und Juroren unangenehm aufgefallen. "Das ist eine vornehme Umschreibung von Überwachungsstaat", kritisiert Horst Dieter Schlosser. Als Hinweis darauf, dass die Medizin nur noch wissenschaftlich-technisch gesehen werde, wertet der Wissenschaftler den Begriff „Patientenmanager“ für einen Arzt und "Casemanager" für einen Bediensteten der Sozialbehörde in Bremen.
Da die Juroren nicht nach der Anzahl der Einsendungen entscheiden, sind Kampagnen sinnlos. So habe Horst Dieter Schlosser innerhalb weniger Tage mehr als 100Mails bekommen, in denen „Kopftuchverbot“ als Unwort vorgeschlagen werde. Eine muslimische Organisation in Deutschland habe angekündigt, bis zum Einsendeschluss für die Unwort-Vorschläge am 7.Januar rund 1000Mails zu schicken. "Solche Unterstützeraktionen beeindrucken uns überhaupt nicht", sagt der Germanist.
Für das Jahr 2006 war "freiwillige Ausreise" als Unwort gewählt worden. In den Jahren zuvor fiel die Wahl auf Entlassungsproduktivität (2005), Humankapital (2004), Tätervolk (2003), Ich-AG (2002) und Gotteskrieger (2001).
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