Studentenandrang: Hochschulen bekommen 1,3 Milliarden Euro
zuletzt aktualisiert: 20.11.2006 - 19:17Berlin (RPO). Mit insgesamt 1,3 Milliarden Euro wollen Bund und Länder in den kommenden vier Jahren die Hochschulen unterstützen. Mit dem "Hochschulpakt 2020" sollen sie auf den erwarteten Ansturm der geburtenstarken Jahrgänge vorbereitet werden. Bundesbildungsministerin Annette Schavan und die Wissenschaftsminister der Länder einigten sich am Montag in Berlin darauf, bis 2010 zusätzliche Plätze für 90.000 Studienanfänger einzurichten.
Formell abgesegnet wird der Hochschulpakt von Bundeskanzlerin Angela Merkel und den Länder-Regierungschefs am 13. Dezember. Vorgesehen ist, dass Bund und Länder von 2007 bis 2010 jeweils 565 Millionen Euro zur Verfügung stellen. 15 Prozent davon erhalten pauschal die ostdeutschen Länder, die mit dem Geld dafür sorgen, dass an ihren Universitäten trotz dramatisch sinkender Studentenzahlen keine Plätze abgebaut werden. Jeweils 3,5 Prozent pauschal erhalten Bremen und Hamburg, an deren Unis überproportional viele Studierende ausgebildet werden. Berlin erhält aus dem selben Grund eine Vorab-Pauschale von vier Prozent.
Den Hauptteil der Fördergelder erhalten die übrigen Länder. 2007 und 2008 soll dies nach dem an der Bevölkerungszahl orientierten so genannten Königsteiner Schlüssel erfolgen - danach wird "spitz" abgerechnet nach der Zahl der gegenüber 2005 tatsächlich zusätzlich aufgenommenen Studierenden.
Programm soll bis 2020 fortgesetzt werden
Über die Mitfinanzierung der Studienplätze hinaus wird der Bund die Länder auch bei der Hochschulforschung entlasten: Für alle von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Forschungsvorhaben legt der Bund 20 Prozent der Fördersumme als Programmkostenpauschale drauf, was sich in den vier Jahren voraussichtlich auf 700 Millionen Euro summieren wird.
Festgehalten wird in dem Hochschulpakt auch, dass das Programm bis 2020 fortgesetzt wird. Ab 2010 wird mit einer Zunahme von jährlich bis zu 40.000 Studienanfängern gerechnet. Dieser Trend wird bis 2020 anhalten, danach folgen geburtenschwache Jahrgänge.
Schavan wies darauf hin, dass es beim Hochschulpakt lediglich um die Erhöhung der Studienanfängerplätze, nicht aber um Infrastrukturmaßnahmen wie Neu- und Ausbauten gehe. Die Gesamtkosten zur Bewältigung des Studierendenandrangs lägen höher und müssten von den Ländern finanziert werden.
"Meilenstein für die Hochschulen"
Der Wissenschaftsrat hat zur Bewältigung der Studierendenwelle von 2007 bis 2020 Kosten von durchschnittlich 2,3 Milliarden Euro pro Jahr errechnet. Der Höhepunkt der Nachfrage nach Studienplätzen wird erst 2013 mit einem Plus von 600.000 zusätzlichen Studierenden gegenüber 2005 erwartet.
Schavan nannte den Hochschulpakt ein außergewöhnlich positives Signal und einen Meilenstein für die Hochschulen. Im übrigen habe man gar keine andere Wahl als die zusätzlichen Studienplätze zu finanzieren. Angesichts später folgender geburtenschwacher Jahrgänge müsse man jetzt die Chance nutzen, so vielen jungen Menschen wie möglich eine hoch qualifizierte Ausbildung zu ermöglichen. Denn der internationale Innovationswettbewerb werde entschieden über einen Wettbewerb der Talente.
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