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Klimagipfel-Blog: Mit Germanwatch in Kopenhagen: Bringt Tuvalu den Stein ins Rollen?

VON EIN GAST-BLOG VON H. VERMASSEN, J. WEHKAMP, S. ACKERMANN
- zuletzt aktualisiert: 11.12.2009 - 14:54

Kopenhagen (RPO). "A bold move in dark times" – Ein mutiger Schritt in dunklen Zeiten – so titelte die heutige Ausgabe des ECO, einer täglich auf der UN-Klimakonferenz erscheinenden Zeitung des Climate Action Networks zu den jüngsten Ereignissen im Bella Center. Was ist eigentlich passiert?

Tuvalus Verhalten zeigt, dass die Stimmen der Entwicklungsländer und kleinen Inselstaaten in ihrem Kampf ums Überleben immer lauter werden.  Foto: Germanwatch
Tuvalus Verhalten zeigt, dass die Stimmen der Entwicklungsländer und kleinen Inselstaaten in ihrem Kampf ums Überleben immer lauter werden. Foto: Germanwatch

In der COP (Conference of the Parties), in der die Delegierten der verschiedenen Mitgliedsländer der UNFCCC über das internationale Klimaabkommen beraten, kam es gestern zu einer unerwarteten Entwicklung. Auf der Tagesordnung stand unter anderem die Diskussion der verschiedenen Vorschläge über ein neues Klimaabkommen, die von den Delegationen Costa Rica, Tuvalu, Australien, Japan und den USA eingereicht worden waren.

Tuvalu, einer der Inselstaaten, die vom Klimawandel bereits jetzt besonders betroffen sind, und bei denen es in diesen Verhandlungen nicht um abstrakte Diskussionen, sondern um das konkrete Überleben geht, brachte einen sehr ambitionierten Entwurf ein.

Tuvalu forderte, dass die Vorschläge offen und transparent diskutiert werden können, damit ihr Entwurf nicht im Sand versinkt. Zahlreiche Entwicklungsländer und kleine Inselstaaten wie Senegal, Salomon Island, Cook Islands und Palau ergriffen das Wort, um ihre volle Unterstützung zum Ausdruck zu bringen.

Erstaunlicherweise zeigte sich die G77 und China, die normalerweise gemeinsam den Gegenpol zu den Industriestaaten bilden, in diesem Punkt uneinig: Die großen Schwellenländer Indien und China sowie die OPEC Staaten blockierten Tuvalus Initiative und stellten sich so ernsthaften Verhandlungen über ein sehr ambitioniertes und faires Klimaschutzabkommen in den Weg. Die Industrieländer hielten sich in dieser Debatte zurück.

Die Verhandlungen der COP wurden temporär ausgesetzt

Auf Konsens angewiesen, sah sich die Präsidentin der COP (und dänische Umweltministerin) Connie Heedegard gezwungen, lediglich den Vorschlag für informelle Konsultationen anzubieten. Statt klein bei zu geben hielt Tuvalu jedoch an seiner Position fest – China, Indien und Co. beharrten jedoch genauso auf ihrer Position. Diese Konfrontation gipfelte schließlich in Tuvalus Antrag, die Verhandlungen (COP) auszusetzen.

Demzufolge löste sich die Versammlung auf. Auch heute warteten wir gespannt auf den weiteren Verlauf der Verhandlungen – noch hat sich die COP offiziell nicht wieder zusammen gefunden. Tuvalus Verhalten zeigt, dass die Stimmen der Entwicklungsländer und kleinen Inselstaaten in ihrem Kampf ums Überleben immer lauter werden. In der Konferenz von Kopenhagen sehen die ärmsten Länder der Welt ihre letzte Chance im Kampf um ihr Überleben, da die Weltöffentlichkeit ihre Augen auf die Verhandlungen richtet und dadurch großer Druck auf die Entscheidungsträger entsteht.

Jugend in Kopenhagen unterstützt Tuvalu mit Demonstrationen

Deutliche Unterstützung erhalten die am meisten verwundbaren Länder von uns NGOs und Jugendorganisationen. Die emotionale Stimmung schwappte direkt vom Plenary über in die große Halle, in der die Jungend lautstark für die Forderungen Tuvalus demonstrierte. Auch heute, am Tag der Menschenrechte, gab es wieder zahlreiche Demonstrationen im Bella Center.

Solche Vorreiterinitiativen können die notwendigen Dynamiken erzeugen, um den Verhandlungsprozess voran zu bringen, denn in der Vergangenheit hat sich schon oft gezeigt, dass gerade diese Länder, wenn sie mutig voranschreiten, den Stein ins Rollen bringen können.


 
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