Konferenz-Präsidentin Hedegaard tritt zurück: Demonstranten wollen Klimagipfel stürmen
zuletzt aktualisiert: 16.12.2009 - 13:00Kopenhagen (RPO). Jeder Eindringling soll gestoppt werden – und das sind eine ganze Menge. Immer mehr Demonstranten versuchen rund um den Klimagipfel in Kopenhagen, das Konferenzzentrum zu stürmen. Etwa hundert Menschen sind in der dänischen Hauptstadt bereits festgenommen worden.
Sie verschanzen sich in Büschen, an den Zäunen oder versuchen es als große Gruppe. Der Veranstalter der Protestaktion, die Gruppe Climate Justice Action, hat angekündigt, dass die etwa 1000 Teilnehmer des Marsches auf das Bella-Konferenzzentrum die Sperren durchbrechen und mit den Delegierten der internationalen Klima-Konferenz direkt sprechen wollen.
Ein Sprecherin der dänischen Polizei gab keine weiteren Einzelheiten bekannt. Die Polizei lehnte es ab, die Zahl der Demonstranten zu schätzen. Sie kündigte an, jeden Eindringling zu stoppen.
Unterdessen ist die Präsidentin der Klimakonferenz, die Dänin Connie Hedegaard, von ihrem Amt zurückgetreten. Ihre Nachfolge übernimmt der dänische Ministerpräsident Lars Lokke Rasmussen. Der Wechsel hat vor allem prozedurale Gründe. Ab Donnerstag übernehmen die Staats- und Regierungschefs die Regie.
Da schon so viele Staats- und Regierungschef für die Schlussberatungen angereist seien, sei es protokollarisch angemessen, dass der Ministerpräsident den Vorsitz von ihr übernehme, sagte die Umweltministerin und bisherige Konferenzleiterin Connie Hedegaard am Mittwoch. Gleichwohl werde sie sich als Sonderbeauftragte Rasmussens im Gespräch mit ihren Kollegen weiter um eine Verhandlungslösung bemühen.
Der Wechsel sei prozedural begründet, ergänzte Hedegaard. Sie war allerdings von afrikanischen Ländern kritisiert worden, die Sitzungen parteilich im Interesse der Industrienationen geleitet zu haben.
Hedegaard, dänische Umweltministerin und Präsidentin der UN-Klimakonferenz, hatte sich in den vergangenen Monaten mit großen Engagement für einen Erfolg des Kopenhagen-Gipfels stark gemacht, aber zuletzt skeptisch zu den Erfolgsaussichten geäußert.
Am Dienstag verglich sie das Verhalten der Delegierten aus 192 Staaten mit dem von Schulkindern. "Ich denke, mit den Leuten in diesem Verhandlungsprozess ist es genau wie mit Schulkindern", so Hedegaard. Auch wenn eine Hausaufgabe lange im voraus gestellt werde, gelte: "Erst wenn Du weißt, dass die Zeit abläuft und Du nicht mehr ausweichen kannst, tust Du es."
Hedegaard bezog sich dabei auf den Versuch der Delegationen einiger Staaten, sich bis zuletzt mit Zugeständnissen zurückzuhalten, um einen möglichst großen Verhandlungsspielraum zu erhalten. Die Europäische Union wirft dies besonders den USA und China vor. Allerdings will sich beispielsweise auch die EU erst auf eine Reduzierung ihrer Treibhausgasemissionen um 30 Prozent bis 2020 festlegen, wenn andere Staaten mitziehen.
Mehr als 190 Staaten nehmen an der Konferenz teil, die am Freitag in einem Abkommen zum Kampf gegen die globale Erwärmung gipfeln soll.
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