Kein Kyoto-Nachfolger in Sicht: Der Klimagipfel steht vor dem Aus
zuletzt aktualisiert: 17.12.2009 - 09:48Kopenhagen (RPO). Der Klimagipfel in Kopenhagen steht vor dem Scheitern. In der letzten Nacht wurden die Verhandlungen ergebnislos abgebrochen. Vor allem die Entwicklungs- und Schwellenländer blockieren. Angeblich hat Dänemark das Ziel eines neuen Welt-Klimaabkommens bereits abgeschrieben. Allenfalls die Staats- und Regierungschefs können jetzt noch eine Lösung herbeiführen.
Ein umfassendes Welt-Klimaabkommen rückt offenbar in weite Ferne. Selbst die dänischen Gastgeber sind von dem Ziel, einen Nachfolger für das Kyoto-Protokoll zu erstellen, offenbar abgerückt. Dies berichten die dänische Zeitung "Berlingske Tidende" und der TV-Sender DR unter Berufung auf Regierungskreise. Die Verhandlungen zwischen Industriestaaten und Entwicklungsländern seien an einem toten Punkt, verlautete am Donnerstag aus dänischen Konferenzkreisen. Dänemark habe die Hoffnung zwar noch nicht ganz aufgegeben, im Moment sehe es aber so aus, als würde man nicht das Abkommen bekommen, das man sich gewünscht habe.
"Die Nachrichten die uns erreichen, sind nicht gut. Es im Moment kein vernünftiger Verhandlungsprozess in Sicht", sagte Kanzlerin Angela Merkel am Donnerstag. Unabdingbar für ein neues Weltklimaabkommen sei die Verpflichtung der Staatengemeinschaft, den Temperaturanstieg auf zwei Grad zu begrenzen. "Gelingt dies nicht, muss ich sagen: Dann ist die Weltklimakonferenz gescheitert", sagte Merkel im Bundestag unmittelbar vor ihrer Abreise nach Kopenhagen.
Klimagipfel-Blog bei RP ONLINE
Exklusiv für RP ONLINE berichtet die Umweltorganisation Germanwatch in einem Blog von den Geschehnissen auf der Konferenz von Kopenhagen. Was die über 20 Germanwatch-Experten während der elf Verhandlungstage erleben, wem sie auf den Konferenzfluren begegnen, worüber sie sich freuen oder ärgern schildern sie hier in ihren Beiträgen.
Der Grund für den Pessimismus: In der letzten Nacht blockierten die Entwicklungs- und Schwellenländer (G 77) sämtliche Anläufe zu Kompromissen oder Verhandlungsforschritten. Allen voran erwiesen sich China und Brasilien als Blockierer. Das Land der Mitte sieht Verhandlungskreisen zufolge überhaupt keine Chancen mehr für eine Einigung. Stattdessen habe der größte Treibhausgas-Emittent der Welt eine "kurze politische Erklärung" vorgeschlagen.
Auch die USA gehören zu den Verzögerern bei der Konferenz. US-Senator John Kerry sagtie hierzu: Einer der Gründe, warum sich die USA in den Verhandlungen nur langsam bewegt habe, sei die Furcht vieler Abgeordneter und Bürger, dass die US-Anstrengungen zur CO2-Reduzierung vom Anstieg der Emissionen der Entwicklungsländer in den Schatten gestellt werde. 2020 werde China 40 Prozent mehr Treibhausgase ausstoßen als die USA. Kerry warb jedoch auch für ehrgeizige Finanzzusagen der Industriestaaten. Entscheidend sei, die Entwicklungsländer beim Umbau ihrer Wirtschaft zu helfen.
Hoffen auf die Abschlussrunde
Jetzt ruhen alle Hoffnungen auf der Schlussrunde mit mehr als 100 Staats- und Regierungschefs. Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) appelliert an sie, die "Krise" der Konferenz zu überwinden. Auch die USA und führende Schwellenländer wie China, der "Nummer-eins-Emittent von CO2", müssten Verantwortung übernehmen, sagte Röttgen am Donnerstag im ZDF-"Morgenmagazin".
Auch Merkel äußerte die Hoffnung, bis Freitag noch einen Kompromiss zu erzielen. Ohne verlässliche Zusagen auch der Schwellenländer, vor allem von China und Indien, mache ein Abkommen keinen Sinn.
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