Klimakonferenz in Kopenhagen: Dramatische Appelle vor der heißen Phase
zuletzt aktualisiert: 15.12.2009 - 20:31Kopenhagen (RPO). Der Klimagipfel in Kopenhagen geht mit den Verhandlungen auf Ministerebene in die entscheidende Phase. Ein Durchbruch scheint derzeit in weiter Ferne. Am Dienstag warfen die EU-Staaten den USA und China mangelnde Verhandlungsbereitschaft vor. In einem dramatischen Appell rief UN-Generalsekretär Ban Ki Moon die Welt auf, die historische Chance zu nutzen, den Lauf der Welt zu ändern.
Die Beratungen über ein neues Klimaschutzabkommen werden am Mittwoch auf Ministerebene fortgesetzt. Für den Nachmittag wird auf der UN-Klimakonferenz damit gerechnet, dass die dänische Konferenzleitung Entwürfe der Abschlussdokumente vorlegt, die sich auf die Verhandlungsergebnisse der vergangenen Tage stützen.
Dabei geht es sowohl um eine mögliche Weiterentwicklung des Kyoto-Protokolls als auch um Grundlagen für ein neues Abkommen, das längerfristige Emissionsziele sowie finanzielle Hilfen der Industriestaaten für Entwicklungsländer umfassen würde.
Am Dienstagabend gab in indes noch dramatische Appelle. Es gelte die Chance zu nutzen, "den Lauf der Geschichte zu ändern", sagte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon vor den Delegierten der UN-Klimakonferenz. Zuvor hatten die EU-Staaten vor allem den USA und China Unbeweglichkeit in den Verhandlungen vorgeworfen.
"Die Erde an den Abgrund führen"
"Unsere Aufgabe ist es hier und jetzt, in unserem gemeinsamen Interesse eine Vereinbarung zu erreichen", sagte Ban. Konkret verlangte er Vereinbarungen über niedrigere Treibhausgasemissionen, die auch Entwicklungsländer einbeziehen sollten sowie finanzielle und technische Hilfen von Seiten der Industriestaaten.
"Künftige Generationen werden uns nach unserer Fähigkeit beurteilen, diesen Moment zu nutzen", sagte als Gastgeber der dänische Ministerpräsident Lars Loekke Rasmussen. Der britische Thronfolger Prinz Charles warnte, die globale Ausbeutung der Ressourcen durch den Menschen habe die Erde "an den Abgrund" geführt.
"Es gibt zwei Länder, die für die Hälfte der weltweiten Emissionen stehen", sagte der schwedische Umweltminister Andreas Carlgren im Namen der EU-Ratspräsidentschaft über die USA und China. "Wir erwarten von beiden mehr Anstrengungen bei der Verringerung des Treibhausgasausstoßes." Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) warf den beiden Ländern vor, sie wollten sich "einen maximalen Verhandlungsspielraum für die letzten Stunden der Konferenz erhalten".
US-Chefunterhändler Todd Stern kündigte an, es werde keine neuen Angebote der USA für niedrigere Emissionen geben. Er verwies dabei auch auf den Widerstand im US-Senat. Die US-Angebote gelten als unzureichend, um eine Begrenzung der Erderwärmung auf zwei Grad zu erreichen. China will zwar Anstrengungen zur Begrenzung seines CO2-Ausstoßes unternehmen, lehnt aber eine internationale Verpflichtung ab. Dies wurde von der chinesischen Delegation bekräftigt.
Merkel, Obama und Sarkozy beraten
Angesichts des zähen Verhandlungsverlaufs in Kopenhagen berieten US-Präsident Barack Obama, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy und der britische Premierminister Gordon Brown in einer Videokonferenz über das weitere Vorgehen. Alle vier wollen an der Schlussphase der Klimakonferenz teilnehmen. Sie hätten "ihre Positionen abgestimmt und ihre Mitarbeiter beauftragt, in der weiteren Vorbereitung eng zusammenzuarbeiten", erklärte der deutsche Regierungssprecher Ulrich Wilhelm.
Unterdessen wurde in Kopenhagen sowohl über eine Fortschreibung des bisherigen Kyoto-Protokolls verhandelt als auch auf eine neue Vereinbarung unter Einbeziehung der USA und wichtiger Schwellenländer über längerfristige Emissionsziele und finanzielle Hilfen.
Zu beidem dürfte es allerdings noch keine fertigen Verträge, sondern nur politisch bindende Absichtserklärungen geben. Der frühere US-Vizepräsident Al Gore forderte eine neue Klimakonferenz im Juli in Mexiko, um ein definitives Abkommen zu schließen.
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