Klimawandel: Erderwärmung sorgt für kalte Winter
VON NILS DIETRICH - zuletzt aktualisiert: 14.12.2010 - 21:12Düsseldorf/Potsdam (RPO). Der Winter hat noch nicht einmal kalendarisch angefangen, da ächzt Deutschland bereits unter Schnee und tiefen Temperaturen. Das muss kein Einzelfall bleiben: Strenge Winter könnten künftig in Mitteleuropa häufiger auftreten, glauben Klimaforscher. Schuld ist ausgerechnet die Erderwärmung im Zuge des Klimawandels.
2010 ist das wärmste Jahr seit Beginn der Temperaturaufzeichnungen vor rund 130 Jahren, erklärte der Rückversicherungskonzern MunichRe kürzlich. Angesichts des fortschreitenden Klimawandels konnte diese Feststellung nicht sonderlich überraschen. Nur das Wetter der letzten Wochen will nicht so recht dazu passen. Schon im Vorjahr und 2005/2006 war es nach einer Reihe vergleichsweise milder Winter ungewöhnlich kalt.
Dass Wetterextreme durch den Klimawandel zunehmen, ist unlängst bekannt. Die Zahl schadenrelevanter Überschwemmungen hat sich seit 1980 global mehr als verdreifacht. Auch die Zahl der durch Stürme verursachten Naturkatastrophen hat sich mehr als verdoppelt. Dieser Anstieg sei ohne die globale Erwärmung nicht zu erklären, sagt die MunichRe.
Komplexe Zusammenhänge
Darüber hinaus schien ein Trend klar: Die Temperaturen steigen langsam, aber sicher an. Demnach müssten die Winter in Deutschland eher milder werden. Doch das Wettergeschehen ist wesentlich komplexer. Die Erderwärmung könnte hierzulande einen gegenteiligen Effekt haben - es wird kälter.
Durch den globalen Temperaturanstieg schrumpft in der östlichen Arktis das Eis auf dem Meer. Hierdurch werden örtlich die unteren Luftschichten aufgeheizt, was zu einer starken Störung von Luftströmungen führen kann. Ergebnis ist eine mögliche Abkühlung der nördlichen Kontinente, wie eine kürzlich im "Journal of Geophysical Research" veröffentlichte Studie zeigt.
"Diese Störungen könnten die Wahrscheinlichkeit des Auftretens extrem kalter Winter in Europa und Nordasien verdreifachen", sagt Studien-Hauptautor Vladimir Petoukhov vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. Die zuletzt aufgetretenen Winter widersprächen nicht dem Bild globaler Erwärmung, "sondern vervollständigen es eher."
Simulation zeigte die Lösung
Die Forscher stützen ihre Aussagen auf Simulationen mit Hochleistungsrechnern. Bei ihren Berechnungen konzentrierten sich die Forscher auf die Barents-Kara-See nördlich von Norwegen und Russland, wo ausgerechnet im kalten europäischen Winter 2005/06 eine drastische Verkleinerung der Eisdecke beobachtet wurde. Wenn die Meeresoberfläche frei von Eis ist, verliert sie eine Menge Wärme an die kalte Luft.
Durch die Aufwärmung der Luftmassen erfolgt eine Umkehr ihrer Rotationsrichtung. Arktische Nordostwinde werden nun in Richtung Südwesten gelenkt und sorgen so für Tiefkühl-Temperaturen in unseren Breiten.
"Wer denkt, das Schrumpfen der Eisfläche auf einem weit entfernten Meer müsse ihn nicht kümmern, der liegt falsch", sagt Petoukhov. "Im Klimasystem gibt es komplexe Fernbeziehungen." Der nun entdeckte Zusammenhang zwischen den Vorgängen in der Barents-Kara-See und der Winterkälte sei ziemlich stark. Das bekommen wir gerade und in der Zukunft womöglich häufiger zu spüren.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum







