Weltklimagipfel in Kopenhagen: Europa hilft Entwicklungsländern mit 7,2 Milliarden Euro
zuletzt aktualisiert: 11.12.2009 - 15:26Brüssel (RPO). Im Kampf gegen den Klimawandel stellt Europa den Entwicklungsländern in den kommenden drei Jahren über 7,2 Milliarden Euro zu Verfügung. Mit dieser Summe will die EU die Weichen für einen erfolgreichen Weltklimagipfel in Kopenhagen stellen und die armen Regionen für ein verbindliches Abkommen gewinnen. Ein erster Entwurf für eine globale Klimaschutz-Vereinbarung wurde bereits vorgelegt.
Der Gesamtbeitrag, auf den sich die 27 EU-Staats- und Regierungschefs nach zähen Verhandlungen in Brüssel einigten, liegt um eine Milliarde Euro über dem ursprünglichen Ziel. Deutschland übernimmt 1,26 Milliarden Euro, wie Bundeskanzlerin Angela Merkel mitteilte.
Die dänische Konferenzpräsidentin Connie Hedegaard erklärte am Freitag in Kopenhagen, die Brüsseler Entscheidung sei ein Signal an die übrigen Industriestaaten: "Ich erwarte jetzt, dass andere Länder dem EU-Beispiel folgen." Den Entwicklungsländern sei mit der EU-Zusage gezeigt worden, dass reiche Nationen die feste Absicht hätten, Kopenhagen zu einem Erfolg zu führen.
Auch der Chef des UN-Klimasekretariats, Yvo de Boer, sprach von einem Schub für die Verhandlungen über Finanzfragen. "Wir müssen jetzt sehen, was die anderen Industriestaaten auf den Tisch legen", sagte er.
Der britische Premierminister Gordon Brown verkündete stolz den größten Beitrag unter den EU-Staaten, 500 Millionen Pfund (550 Millionen Euro) pro Jahr. Paris legt wie Berlin 420 Millionen Euro auf den Tisch, was, gemessen an seiner geringeren Wirtschaftskraft, über dem deutschen Anteil liegt.
Merkel: "Deutliches Signal nach Kopenhagen"
Merkel sprach von einem "deutlichen Signal nach Kopenhagen". Die Entwicklungshilfeorganisation Oxfam klagte aber, es handele sich um geringe Summen für die Einzelstaaten, und ein Großteil des Geldes sei schon zuvor als Entwicklungshilfe zugesagt gewesen. Merkel wies dies für Deutschland zurück.
"Um Vertrauen in dem armen Ländern zurückzugewinnen, muss die EU deutlich über 35 Milliarden Euro pro Jahr ab 2013 versprechen", forderte Oxfam. Auf ihren Anteil an den langfristigen Klimaschutzkosten legte sich die EU am Freitag aber noch nicht fest.
Der Umweltschutzverband WWF kritisierte, dass die Milliarden-Hilfe nur bis 2012 reichen wird. Die EU habe die Chance vertan, den Grundstein für echte Fortschritte bei der laufenden Weltklimakonferenz in Kopenhagen zu legen, so der WWF. Die Grünen im Europaparlament erklärten, Europa habe seine Führungsrolle beim Klimaschutz endgültig verspielt.
"Wir halten die 30 Prozent im Raume"
Auch zu der Zusage, die CO2-Emissionen bis 2020 gegenüber 1990 um 30 Prozent statt nur um 20 Prozent zu senken, konnte sich der Gipfel nicht durchringen. Der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy machte zwar deutlich, dass die EU dazu bereit sei. Doch nur bei weitergehenden Zugeständnissen aus den USA und China. "Wir halten die 30 Prozent im Raume, weil wir hoffen, dass auch andere dadurch noch einen Anreiz bekommen", sagte Merkel. In Kopenhagen steht "noch eine turbulente Woche bevor", sagte die Kanzlerin.
Soll die Erderwärmung in diesem Jahrhundert auf zwei Grad begrenzt werden, dann müssen die Emissionen laut dem Weltklimarat bis 2050 um mindestens 50 Prozent gedrückt werden. Davon sei man aber noch weit entfernt, selbst wenn die EU ihre Anstrengungen verstärke, so die Kanzlerin.
Erster Entwurf für Vereinbarung vorgelegt
In dem in Kopenhagen vorgelegten ersten Entwurf für eine Klimaschutz-Vereinbarung gibt es bei den konkreten Minderungszielen bislang mehrere Optionen. So soll der Schadstoff-Ausstoß bis 2050 verglichen mit 1990 weltweit mindestens um 50 Prozent sinken - oder aber um 85 oder 95 Prozent. Die EU bekräftigte ihr Ziel, den CO2-Ausstoß bis 2020 um 20 Prozent zu senken.
Das Papier sieht zudem eine Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 oder zwei Grad vor. Für die striktere Obergrenze machen sich vor allem kleine Inselstaaten und afrikanische Länder stark. Das Zwei-Grad-Ziel wird von den Industrie- und Schwellenländern unterstützt.
Die neuesten Nachrichten und Berichte aus Politik, Wirtschaft, Panorama, Sport,
Kultur, Gesellschaft, Wissenschaft, Multimedia, Auto,
Reise und Beruf - im Archiv auch gratis recherchierbar. Dazu die besten Bilder,
Live-Ticker, Kolumnen und Hintergrundberichte.







