Vom 28. November bis zum 9. Dezember 2011 verhandeln im südafrikanischen Durban erneut Vertreter aus 194 Staaten sowie der EU über ein Schritte im Kampf gegen den Klimaschutz. Wir beantworten die wichtigsten Fragen rund um die Klimakonferenz.
Nach der Klimakonferenz von Kopenhagen vor zwei Jahren ist es ruhig geworden um den Klimawandel - Ist das ein Zeichen zur Entwarnung?
Nein. Wissenschaftler schließen nicht aus, dass der Klimawandel womöglich noch schneller vonstattengeht als befürchtet. Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) warnt, dass insbesondere der Meeresspiegel schneller ansteigen könnte als noch vom Weltklimarat IPCC 2007 vorhergesagt. Bis Ende des Jahrhunderts werde jener voraussichtlich um rund einen Meter ansteigen, im besten Fall um 75 Zentimeter, im schlechtesten Fall bis zu 1,90 Meter. Der Weltklimarat warnte zuletzt, dass Extremwetterereignisse aufgrund des Klimawandels zunehmen werden.
Selbst wenn die Staaten ihre Zusagen zur Minderung des Treibhausgasausstoßes, die sie im vergangenen Jahr gemacht haben, einhalten würden, würde die globale Temperatur voraussichtlich um mehr als drei Grad ansteigen. Wissenschaftler gehen von vier bis fünf Grad aus.
Was sind die Erwartungen an die Klimakonferenz in Durban?
Ein großer Wurf wird nicht erwartet. Nach der gescheiterten Klimakonferenz von Kopenhagen vor zwei Jahren sind die Verhandlungen ins Stocken geraten. Ergebnisse, die auf der Klimakonferenz in Cancún im vergangenen Jahr erzielt wurden, sind bislang kaum mit Leben gefüllt worden. Ein international verbindliches Klimaabkommen erwartet niemand mehr. Wie schon in Cancún wird es in diesem Jahr vor allem um eine mögliche Neuauflage des Kyoto-Protokolls gehen, das derzeit das einzige international verbindliche Klimaabkommen darstellt und dessen erste Verpflichtungsperiode Ende 2012 ausläuft.
Wie sind die Chancen für eine Fortsetzung des Kyoto-Protokolls?
Auch hier ist ein Kompromiss nicht in Sicht. Reihum schieben sich die Staaten den Schwarzen Peter zu. Die EU ist zwar grundsätzlich zu einer Neuauflage des Kyoto-Abkommens bereit, allerdings nur unter der Bedingung, dass sich andere große Verschmutzer auf absehbare Zeit beteiligen. Australien und Neuseeland wollen sich nur dann auf eine zweite Verpflichtungsperiode einlassen, wenn die USA und China ebenfalls teilnehmen. Und von den USA ist derzeit aufgrund der innenpolitischen Lage kaum etwas zu erwarten. Immerhin haben sich die Kyoto-Staaten im vergangenen Jahr indirekt zu einer zweiten Verpflichtungsperiode bekannt, wenn die erste Ende 2012 ausläuft.
Experten allerdings sind skeptisch, ob darauf aufgebaut werden kann.
Ist es sinnvoll, mit 194 Staaten einen Konsens erzielen zu wollen?
Immer öfter ist mittlerweile die Rede von Parallelveranstaltungen, auf denen sich die großen Emittenten auf eine gemeinsame Linie verständigen. "Man muss den Teilnehmerkreis verkleinern und die Instrumente erweitern", sagt etwa der Chefökonom des PIK, Ottmar Edenhofer. Es habe sich gezeigt, dass Verhandlungen im Kreis aller Staaten ein "miserables Instrument" seien, "um Kompromisse auszuloten". Auch Umweltminister Norbert Röttgen setzt seit der gescheiterten Klimakonferenz in Kopenhagen auf bilaterale Projekte. Die Grünen werben für eine "Klimapolitik der unterschiedlichen Geschwindigkeiten". Den UN-Klimaprozess aufgeben wollen sie alle aber nicht.
Was geschieht, wenn auch in Durban kein Durchbruch gelingt?
Das Worst-Case-Szenario wäre ein Scheitern der internationalen Klimadiplomatie. Nach Auslaufen des Kyoto-Protokolls in gut einem Jahr gäbe es überhaupt keine Verpflichtungen zur Reduzierung des Treibhausgasausstoßes mehr. Wahrscheinlich würden diejenigen Staaten, die bereits Anstrengungen zur Drosselung des CO2-Ausstoßes unternommen haben, diesen Pfad nicht gleich wieder verlassen. Der Druck auf Staaten, die dem Kyoto-Protokoll nicht angehören, wäre allerdings verschwunden. Denkbar ist allerdings auch, dass sich die Staaten in Durban ein weiteres Mal vertagen, um weiterzuverhandeln.
Voraussichtlich 2014 wird der nächste große Sachstandsbericht des Weltklimarats erwartet. Experten hoffen dann auf eine neue Dynamik für einen neuerlichen Anlauf für ein globales Abkommen. Der Direktor des PIK, Hans Joachim Schellnhuber spricht vom "Endgame für den Klimaschutz".