Klimagipfel in Kopenhagen: Geld soll Klima retten, nicht den Finanzmarkt
zuletzt aktualisiert: 10.12.2009 - 19:28Kopenhagen (RPO). Im Kampf gegen die globale Erwärmung rückt zunehmend die Frage der Finanzierung ins Zentrum. Der US-Milliardär George Soros schlug beim Weltklimagipfel in Kopenhagen eine Umverteilung von Geldern des Internationalen Währungsfonds vor – dabei geht es um 100 Milliarden Euro.
Statt in die angeschlagenen Finanzmärkte könnte der Betrag des IWF in die Finanzierung von Projekten in Entwicklungsländern fließen, sagte Soros. Die von den Industriestaaten bislang in Aussicht gestellten 10 Milliarden Dollar pro Jahr seien dafür nicht ausreichend.
Die Differenz zwischen der angebotenen und der tatsächlich benötigten finanziellen Unterstützung armer Länder, um dort die Folgen des Klimawandels abzufedern, könnte den Gipfel scheitern lassen, warnte der Geschäftsmann. Die notwendige Summe könnte aber erheblich gesteigert werden. "Alles was fehlt, ist der politische Wille", sagte Soros.
Die Europäische Union reagierte skeptisch auf den Vorschlag von Soros. Mit der Nutzung der IWF-Sonderziehungsrechte sollte vorsichtig umgehen, sagte Artur Runge-Metzger von der EU-Kommission. Und Soros selbst räumte unter Hinweis auf Gespräche mit der US-Regierung ein, dass die dafür notwendige Zustimmung des amerikanischen Kongresses fraglich sei.
Klimagipfel-Blog
Exklusiv für RP ONLINE berichtet die deutsche Umweltschutz-Organisation Germanwatch regelmäßig in einem Blog von den Geschehnissen auf der Konferenz von Kopenhagen. Was die über 20 Germanwatch-Experten während der elf Verhandlungstage erleben, wem sie auf den Konferenzfluren begegnen, worüber sie sich freuen oder ärgern schildern sie >>>hier in ihren Beiträgen.
Bundeskanzlerin Angela Merkel forderte unterdessen Europa auf, in Kopenhagen eine Schrittmacherrolle zu übernehmen. "Wir sind die Vorreiter. Aber wir müssen jetzt auch die Kraft entfalten, die Welt davon zu überzeugen, dass wir zu einem globalen Abkommen kommen", sagte Merkel am Donnerstag auf einem Kongress der Europäischen Volkspartei in Bonn. Dabei müssten alle Staaten Verpflichtungen übernehmen – auch die Entwicklungsländer.
Röttgen will für Erhalt der Tropenwälder zahlen
Bundesumweltminister Norbert Röttgen will das Abholzen der Tropenwälder mit finanzieller Unterstützung für die betroffenen Länder aufhalten. In der ARD kündigte der CDU-Politiker am Mittwochabend an, Deutschland werde auf die entsprechenden Länder einwirken und ihnen Geld zahlen, damit weniger Tropenholz geschlagen und exportiert werde. "Wir müssen mit diesen Ländern reden und einen Vertrag schließen, damit die auch eine wirtschaftliche Perspektive haben, wir müssen ihnen helfen." Für Deutschland werde das aber nicht umsonst zu haben sein.
Der pazifische Inselstaat Tuvalu scheiterte bei der Weltklimakonferenz mit einem Antrag, die globale Erwärmung auf maximal 1,5 Grad Celsius zu begrenzen. Die Industriestaaten haben sich auf einen Anstieg von zwei Grad verständigt, bezogen auf die Messwerte vor der Industrialisierung.
"Das ist eine Sache des Überlebens", sagte der Delegierte von Tuvalu, Ian Fry, im Namen anderer Inselgruppen, die bei einer weiteren globalen Erwärmung von Überflutung bedroht sind. "Wir haben keine Zeit mehr für eine weitere Verschleppung."
Auch Medwedew kommende Woche bei Gipfel in Kopenhagen
An der Schlussphase des Weltklimagipfels will auch der russische Präsident Dimitri Medwedew teilnehmen. Medwedew wird am 17. und 18. Dezember in Kopenhagen erwartet, wie der Kreml am Donnerstag mitteilte. Möglicherweise unterzeichnen er und US-Präsident Barack Obama dann ein geplantes neues Abrüstungsabkommen. Vertreter beider Staaten haben erklärt, sie rechneten in Kürze mit einer Unterschrift. Der Atom-Abrüstungsvertrags START I ist am vergangenen Freitag abgelaufen. Obama nimmt am 18. Dezember an den Verhandlungen in Kopenhagen teil.
Unterdessen ist es einer Gruppe von Greenpeace-Aktivisten gelungen, für den ersten kleinen Skandal des Klimagipfels zu sorgen. Am Donnerstag haben sie mit Hilfe eines Mercedes sämtliche Sicherheitsvorkehrungen rund um den EU-Gipfel überwunden. Die Gruppe stieg in der eigentlich für die Staats- und Regierungschefs reservierten Einfahrt aus dem Auto und entrollte vor Protestbanner vor den wartenden Journalisten. "Wir sind in einem Fahrzeugkonvoi reingefahren. Wir haben zwei Polizeikontrollen passiert", sagte Greenpeace-Aktivist Oliver Knowles.
Um die Täuschung perfekt zu machen, trug Knowles einen Anzug komplett mit gefälschtem Zugangsausweis für das Konferenzgebäude. Mit der Protestaktion wollte Greenpeace den Druck auf die EU erhöhen, durch ehrgeizigere Klimaschutzziele die laufenden Verhandlungen über ein neues Klimaschutzabkommen in Kopenhagen zu retten.
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