Deutlicher Anstieg des Meeresspiegels möglich: Gletscher in der Antarktis schmelzen schneller
zuletzt aktualisiert: 25.02.2009 - 17:51Genf (RPO). Schlechte Nachrichten vom südlichsten Kontinent: Die Gletscher in der Antarktis schmelzen nach Angaben von Wissenschaftlern deutlich schneller als bislang angenommen. Die Folge könnte ein beispielloser Anstieg des Meeresspiegels sein, heißt es in einem am Mittwoch veröffentlichten Bericht zum Internationalen Polarjahr 2007/08.
Anders als angenommen erwärmt sich demnach der gesamte westliche Teil des Kontinents. Experten gingen davon aus, von den steigenden Temperaturen sei vor allem der Ausläufer Richtung Südamerika betroffen.
Satellitenaufnahmen und Daten von Wetterstationen deuteten darauf hin, dass die Erwärmung die gesamte westliche Antarktis betreffe, sagte Colin Summerhayes vom in Großbritannien ansässigen Scientific Committee on Antarctic Research. "Das ist ungewöhnlich und unerwartet", sagte er der Nachrichtenagentur AP. Der Meeresspiegel werde damit schneller ansteigen als vom Weltklimarat (IPCC) vorhergesagt.
Zu erwarten sei ein Anstieg zwischen einem und 1,5 Metern, sollte die antarktische Eisfläche zusammenbrechen, warnte Summerhayes. Der Weltklimarat hatte 2007 erklärt, mit zunehmender Erwärmung könnte der Meeresspiegel bis Ende des Jahrhunderts um 18 bis 58 Zentimeter steigen. Sollte die Eisdecke an den Polen andauern, sei ein Anstieg um weitere zehn bis 20 Zentimeter möglich. Damit würden tiefliegende Regionen überflutet und Millionen Menschen in die Flucht getrieben.
Gletscher verlieren pro Jahr 103 Milliarden Tonnen Masse
Summerhayes zufolge bewegt sich der größte Gletscher im Westen der Antarktis, der Pine Island Glacier, inzwischen rund 40 Prozent schneller als in den 1970er Jahren. Damit werden Wasser und Eis wesentlich schneller ins Meer abgegeben. Der Smith Glacier bewegt sich sogar 83 Prozent schneller als im Jahr 1992. Weil die Verluste nicht durch neue Schneefälle ausgeglichen werden können, verlieren alle Gletscher in der Region demnach pro Jahr rund 103 Milliarden Tonnen an Masse. Das entspreche dem derzeitigen Verlust der gesamten Eisfläche Grönlands, sagte Summerhayes.
Während des Internationalen Polarjahres 2007/2008 hatten sich Tausende Wissenschaftler aus mehr als 60 Ländern an Studien zur Arktis und Antarktis beteiligt. Ihren Ergebnissen zufolge ist das Meerwasser um die Antarktis in den vergangenen zehn Jahren um etwa 0,2 Grad Celsius wärmer geworden - das ist doppelt so viel wie die durchschnittliche Erwärmung in den übrigen Ozeanen weltweit in den vergangenen drei Jahrzehnten.
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