Bildband dokumentiert den Klimawandel: Grönlands ewiges Eis taut dahin
VON PHILIPP STEMPEL - zuletzt aktualisiert: 16.12.2009 - 17:08Düsseldorf (RPO). Der Bildband des Fotografen Olaf Otto Becker nimmt sich an wie eine Mahnung in Richtung des Gipfels in Kopenhagen. Er zeigt Aufnahmen vom Inlandeis der weißen Insel. Seine Aufnahmen dokumentieren auf verstörende Weise die Folgen der sich erwärmenden Erde. Die fatalen Auswirkungen unseres Tuns sind inzwischen unübersehbar.
Vordergründig sind die Bilder, die Becker von seiner strapaziösen Reise auf das Inlandeis von Grönland mitgebracht hat, betörend schön. Das Blau der Gletscher ist wie von einer anderen Welt, die überirdischen Ausformungen der Landschaft sind ein Zeugnis der Schönheit unserer Welt. Eis, Wasser und Schnee formen eigentümliche Skulpturen für die Ewigkeit, schroff und gewaltig, aber auch anmutig und verlockend.
Vor dem Hintergrund des Klimawandels werden die Bilder zum erschreckenden Mahnmal. „Die Wildnis löst sich auf. Die größte Insel der Welt tröpfelt davon“, heißt es in Beckers Buch. Zwar erlebt das Land in jedem Sommer aufs Neue eine Schneeschmelze, bei der sich unzählige Rinnsale, Flüsschen, Ströme und kilometerweite Seen bilden.
Doch über die Jahre ergibt sich der eindeutige Befund: Die Flüsse werden größer, schneller, tiefer weiter. Im Süden Grönlands schmilzt das Eis mittlerweile schon jenseits der Marke von 2000 Metern, heißt es nüchtern. Eine Folge der Erderwärmung, wie auch der Beitrag des regelmäßig in Grönland forschenden Klima-Experten Konrad Steffen in Beckers Buch deutlich macht.
Der Einfluss des Menschen ist unübersehbar. Überall an den Flussufern tun sich unzählige runde Löcher auf, auf deren Grund sich Pfützen gebildet haben. Schaut man hinein, findet man dunklen Schmutz auf dem Boden dieser Vertiefungen. Es ist Industriestaub, weit hergeweht aus den Industriezentren der Zivilisation. Durch seine dunkle Farbe bindet er die Wärme der Sonne, Schnee und Eis schmelzen schneller.
Aus den Löchern werden Gräben, aus den Pfützen Rinnsale, bis sie sich mit anderen Wassern zusammentreffen und zu weiten Flüssen vereinigen. Keiner von ihnen endet im Meer. Vielmehr verschwinden sie im Nichts. Sie stürzen in den sogenannten Gletschermühlen in die Tiefe. Wie groß die Hohlräume unter der Eisoberfläche sind, weiß niemand. Wenn Becker bei der Beschreibung seiner Reise erzählt, wie es oftmals unter den Schritten kracht und knackt, überkommt einen ein Schaudern.
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