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Nach dem Schneechaos: Kalt trotz Klimawandel?

VON LUDWIG JOVANOVIC - zuletzt aktualisiert: 22.12.2009 - 17:13

Düsseldorf (RP). Die extremen Minusgrade der vergangenen Tage sind aus Sicht der Meteorologen Einzelereignisse. Die Jahre von 2000 bis 2009 bilden das wärmste Jahrzehnt seit 130 Jahren.

Am Sonntag schien es nicht aufzuhören: Der Schnee fiel und türmte sich im Bergischen auf bis zu 26 Zentimeter auf, am Niederrhein auf zehn bis 20 Zentimeter und bei Bonn auf nur ein bis drei Zentimeter. Darum konnte der Köln-Bonner Flughafen seinen Betrieb auch noch fortsetzen, während in Düsseldorf kein Flugzeug mehr landete oder startete.

Wie kam es zu dem heftigen Schneefall?

Ein Hoch über Russland hat eiskalte und trockene Kontinental-Luft nach Europa getragen. Darum wurden am Freitag und Samstag teilweise neue Rekord-Tiefsttemperaturen gemessen. Am Sonntag brachte dann aber ein Tief milde, feuchte Luft aus der Nordsee mit sich. Als die beiden Fronten aufeinanderstießen, kühlte sich die warme Luft ab. Sie gab darum Feuchtigkeit ab – aufgrund der Kälte als Schnee.

Wieso war der Schneefall regional so unterschiedlich?

Luftströmungen bilden keine einheitlichen Schichten. Gerade über dem Bergischen können sich die Wolken quasi stauen und so für mehr Schnee sorgen, die Gegend um Bonn dagegen lag vom Wind abgewandt. Dort kamen darum auch weniger Niederschlagswolken an. Das wäre beim Regen nicht anders. Beim Schnee nimmt man die unterschiedlichen Niederschlagsmengen nur sofort wahr.

In Kopenhagen wurde bei der Klima-Konferenz vergangene Woche über die drohende globale Erwärmung und den Klimawandel geredet. Nun hat es geschneit. Wie kann das sein?

Der Schnee von Sonntag und die Kältewelle davor sind Einzelereignisse und Momentaufnahmen. Die Klima-Änderung spielt sich in einem größeren Zeitrahmen ab. Das sei so wie bei einem Aktienkurs, heißt es dazu beim Deutschen Wetterdienst. Der Kurswert verliere vielleicht mal kurzfristig und schlage nach unten durch. Trotzdem könne die Gesamttendenz des Kurswertes steigend sein.

Beim Wetterdienst Meteomedia heißt es zudem, dass die Strömungen, die bei uns für eine Kältewelle gesorgt haben, woanders wiederum für das Gegenteil verantwortlich sind. So herrschte in diesen Tagen in Skandinavien ein eher mildes Winterwetter. Im Schnitt gleiche sich das wieder aus. Die Klima-Änderung müsse man global betrachten, nicht nur regional und auf ein Bundesland bezogen.

Gibt es sonst noch Anzeichen für eine Erwärmung?

Die wenigen kalten Tage ändern nichts daran, dass die Durchschnittstemperaturen in Deutschland gestiegen sind. Laut dem Deutschen Wetterdienst lag in den Jahren 1961 bis 1990 für ganz Deutschland das Mittel der Jahrestemperatur bei 8,2 Grad. Seit dem Jahr 2000 liegen die Durchschnittstemperaturen aber mittlerweile jedes Jahr darüber. "Das Jahrzehnt 2000 bis 2009 war in Deutschland sogar die wärmste Dekade seit mindestens 130 Jahren", sagt der Deutsche Wetterdienst. Dieses Jahr wird man voraussichtlich 9,2 Grad erreichen. Das sind aber noch nicht die Rekordwerte: Die wurden in den Jahren 2007 und 2000 mit 9,9 Grad im Jahresdurchschnitt gemessen.

Und wie sieht das in Nordrhein-Westfalen aus?

Nimmt man die Jahre von 2000 bis 2009 bildet Nordrhein-Westfalen mit einem Jahresmittel von 10,1 Grad zusammen mit Saarland (10,1), Bremen (10,1) und Schleswig-Holstein (10,3) die Spitzengruppe.

Also sind die kalten Tage jetzt ein Ausreißer?

Auch wenn es in den vergangenen Tagen extrem kalt war, so fiel der November mit 7,3 Grad im Schnitt um 3,3 Grad zu warm aus. Er gehört damit in Deutschland zu den drei wärmsten Novembermonaten seit 1881. Auch da kam NRW mit 8,7 Grad neben Hamburg als wärmstes Bundesland auf den ersten Platz.

War nur der November so warm?

Der gesamte Herbst 2009 war erstaunlich warm. Rechnet man für NRW erfahrungsgemäß mit einer Durchschnittstemperatur von 9,5 Grad, erreichte Nordrhein-Westfalen in diesem Jahr schon 10,8 Grad – und liegt hinter Bremen auf Platz zwei. Der bundesweit bisher wärmste Herbst seit Beginn der Messungen fiel dagegen auf das Jahr 2006 – mit zwölf Grad im Schnitt. Dafür war NRW mit einer durchschnittlichen Regenmenge von 256 Liter pro Quadratmeter (normalerweise nur 215 Liter pro Quadratmeter) das nasseste Bundesland in diesem Herbst.

Gibt es sonst noch Anzeichen für eine Klimaänderung?

Auch beim Niederschlag hat sich laut dem Wetterdienst das Jahrzehnt von 2000 bis 2009 mit durchschnittlichen 827 Litern pro Quadratmeter an die Spitze gesetzt. Nur bei den Stürmen hat man keine Zunahme festgestellt. Dafür fiel das Orkantief Kyrill am 17. und 18. Januar 2007 extrem heftig aus.

Quelle: RP

 
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