Blockade in Kopenhagen: Klimagipfel auf der Kippe
zuletzt aktualisiert: 17.12.2009 - 06:40Kopenhagen (RPO). Die Verhandlungen auf dem Weltklimagipfel in Kopenhagen stehen auf der Kippe. Die offiziellen Gespräche wurden am Mittwochabend abgebrochen. Vor allem China und Brasilien blockierten. Inzwischen sinken die Chancen auf ein verbindliches Abkommen.
"Ich glaube immer noch, dass ein wirklicher Erfolg möglich ist", sagte UN-Klimachef Yvo de Boer. "Die nächsten 24 Stunden sind absolut entscheidend und müssen produktiv genutzt werden."
Bis Mittwochabend waren zahlreiche Fragen offen. Dazu zählt, in welcher Größenordnung die Industriestaaten ihren Ausstoß an CO2 und anderen Treibhausgasen zu begrenzen bereit sind. Auch ist unklar, wie viele Milliarden Dollar Industrieländer den Entwicklungsländern für Klimaschutzmaßnahmen bereitstellen wollen und wie die künftigen Treibhausgasemissionen in Schwellen- und Entwicklungsländern überwacht werden sollen. Teilnehmer aus ärmeren Ländern beklagten ein mangelndes Engagement der reicheren Staaten.
Der britische Klimaschutzminister Ed Miliband sagte im Sender BBC, die Gespräche stünden auf Messers Schneide und seien ernsthaft in Gefahr. "Im Grunde haben wir den Tag heute damit verbracht, über die Form des Tisches und die Art der Verhandlungen zu streiten. Angesichts der sehr kurzen Zeit, die wir noch haben, ist das kein guter Weg."
Die USA und fünf weitere Staaten wollen in den nächsten drei Jahren mit 3,5 Milliarden Dollar ein Programm zum Schutz der Regenwälder finanzieren. Das kündigte der amerikanische Agrarminister Tom Vilsack beim Weltklimagipfel an. Neben den USA beteiligen sich Frankreich, Großbritannien, Norwegen, Japan und Australien an dem Programm. Mit dem Geld sollen Entwicklungsländer in die Lage versetzt werden, Maßnahmen gegen die Abholzung der Regenwälder zu finanzieren.
Japan will seine kurzfristige Hilfe zum Klimaschutz für Entwicklungsländer von neun auf 15 Milliarden Dollar (10,3 Milliarden Euro) aufstocken. Die Zusage ist aber an die Bedingung geknüpft, dass bei dem Klimagipfel ein praktikables Abkommen zur weltweiten Reduzierung der Treibhausgase vereinbart wird. Wie die japanische Delegation in Kopenhagen erklärte, müsse das Abkommen einen "gerechten und effektiven Rahmen" bieten, und alle Staaten, die zu den größten Klimasündern gehören, müssten daran beteiligt sein.
Vor dem Tagungsort in Kopenhagen ging die Polizei am Mittwoch mit Pfefferspray und Schlagstöcken gegen Hunderte Demonstranten vor. Nach Polizeiangaben wurden 260 Protestierende festgenommen.
Bundeskanzlerin Angela Merkel will am Donnerstag nach Kopenhagen reisen. Zum Abschluss der Konferenz am Freitag haben sich zahlreiche weitere Staats- und Regierungschefs angesagt, darunter US-Präsident Barack Obama.
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