Afrika: Klimawandel fördert Bürgerkriege
zuletzt aktualisiert: 23.11.2009 - 21:38Frankfurt/Main (RPO). Der Klimawandel fördert kriegerische Konflikte in Afrika. Sollten die Temperaturen in Afrika südlich der Sahara bis 2030 wie prognostiziert um etwas über ein Grad Celsius klettern, steige die Gefahr von Bürgerkriegen um mehr als 50 Prozent, warnen Forscher der Universität von Kalifornien in Berkeley. Allein diese zusätzlichen Kämpfe würden einer Studie zufolge fast 400.000 Menschen das Leben kosten.
Die Agrarökonomen begründen den Zusammenhang damit, dass in Afrika sehr viele Menschen von der Landwirtschaft leben und Missernten daher die Unzufriedenheit in großen Teilen der Bevölkerung schüren. Analysen des Zeitraums von 1980 bis 2002 ergaben, dass Bürgerkriege in überdurchschnittlich warmen Jahren eher auftraten. Wie die Forscher im Fachblatt "PNAS" schreiben, erhöhte ein Temperaturanstieg um ein Grad Celsius dieses Risiko um fast 50 Prozent.
Die Wissenschaftler bündelten ihre historischen Daten mit Klimaprognosen, denen zufolge die Temperatur in dem Erdteil bis zum Jahr 2030 um etwas über ein Grad Celsius steigen wird. Demnach wächst die Wahrscheinlichkeit von Bürgerkriegen bis dahin um 55 Prozent. Allein bei den dadurch ausgelösten Kämpfen würden rund 390.000 Menschen getötet, schätzen die Forscher, die sich an Opferzahlen früherer Konflikte orientieren.
"Wir waren sehr überrascht"
"Wir waren sehr überrascht, dass die Verbindung zwischen Temperatur und Konflikten so stark war", sagt Edward Miguel. Aber das Ergebnis sei logisch: In den meisten afrikanischen Ländern lebe die große Mehrheit der Armen von der Landwirtschaft, und ihre Anbaupflanzen reagierten schon auf kleine Temperaturänderungen sehr empfindlich. "Wenn die Temperaturen steigen, leidet die Lebensgrundlage vieler Menschen stark, und die Benachteiligten greifen eher zu den Waffen", sagt Miguel.
Die Studie zeige, wie empfindlich manche Wirtschaftssysteme selbst auf geringe Veränderungen reagierten und wie schnell sich die Auswirkungen der Erderwärmung bemerkbar machen könnten. Daher sollten die Industriestaaten die Entwicklungsländer stärker dabei unterstützen, sich auf den Klimawandel vorzubereiten, mahnen die Wissenschaftler.
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