Klimakonferenz in Kopenhagen: Merkel verhandelt in Spitzenrunde
zuletzt aktualisiert: 18.12.2009 - 08:49Kopenhagen (RPO). Die Teilnehmer beim Klimagipfel in Kopenhagen suchen nach einem Ausweg aus der Krise. Seit der Nacht beraten Vertreter der mächtigsten Staaten in einem exklusiven Kreis, um doch noch einen für alle akzeptablen Entwurf zu finden. Seit 8 Uhr tagt auch Kanzlerin Angela Merkel zusammen mit etwa 30 anderen Staatschefs in einer Spitzenrunde. Sie soll den Durchbruch bringen.
Am Freitagmorgen sind die Verhandlungen damit in die entscheidende Runde gegangen. Ziel ist eine politische Vereinbarung, die die wichtigsten Streitpunkte klärt und den Weg für ein neues weltweites Klimaabkommen ebnet.
Bundeskanzlerin Angela Merkel und etwa 30 Staats- und Regierungschefs hatten bereits bis spät in die Nacht versucht, einen für alle Regionen der Welt akzeptablen Entwurf zustande zu bringen. Nach weiteren Verhandlungen auf Arbeitsebene in der Nacht hängt Wohl und Wehe des Gipfels erneut an den politischen Spitzen. Dem UN-Gipfel läuft die Zeit davon. Bereits an diesem Freitagabend soll er enden.
Ob der so beschworene Durchbruch an einem einzigen Tag möglich ist, bleibt fraglich. Noch am gestrigen Donnerstag war der Gipfel durch eine schwere Krise blockiert. Die Unterhändler diskutierten über Verfahrensfragen, nicht über Emmissionsziele, Entwicklungshilfe und konkrete Lösungsansätze. Das aber wäre erforderlich, soll der Gipfel doch noch ein Erfolg werden.
Klimagipfel-Blog bei RP ONLINE
Exklusiv für RP ONLINE berichtet die Umweltorganisation Germanwatch in einem Blog aus Kopenhagen. Was die über 20 Germanwatch-Experten erleben, wem sie auf den Fluren begegnen, worüber sie sich freuen oder ärgern schildern sie >>>hier in ihren Beiträgen.
Jüngster Stand der Verhandlungen: Der Gipfel soll eine Begrenzung auf das Minimalziel von einer Erwärmung von maximal zwei Grad beschließen. Zudem solle angestrebt werden, aus der Erklärung innerhalb eines halben Jahres ein verpflichtendes Abkommen zu formulieren, hieß es von einem Teilnehmer.
Im Kern geht es um drei Schlüsselfragen, die noch zu klären sind.
- Zu welchen Zugeständnissen sind die Industrieländer bei den Emmissionszielen bereit. Am Ende soll eine Zahl stehen, an der sich bemessen lässt, um wieviel CO2 die reichen Länder ihren Ausstoß mindern wollen.
- Zu welchen Zugeständnissen sind die Entwicklungs- und Schwellenländer bereit? Auch sie sollen Emmissionsziele vorlegen, die sich aber von denen der Industriestaaten unterscheiden.
- Was werden die reichen Länder dafür bezahlen? Die Schwellen- und Entwicklungsländer fordern Hilfsgelder für Umwelltechnologie. Sie reklamieren für sich ein Recht auf wirtschaftliches Wachstum und wollen nicht die Klimafolgen des Wohlstands des Nordens ausbaden.
An dem hochrangigen Mini-Gipfel nehmen neben Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy unter anderen auch Vertreter aus den USA, Großbritannien, China, Russland, Brasilien, Indien sowie EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso und UN-Generalsekretär Ban Ki Moon teil. Die USA wurden in Kopenhagen durch Außenministerin Hillary Clinton vertreten. US-Präsident Barack Obama kommt am Freitagmorgen hinzu.
Den USA und China kommt bei den Verhandlungen eine Schlüsselrolle zu, weil beide Länder am meisten Kohlendioxid in die Atmosphäre ausstoßen. US-Präsident Barack Obama und der chinesische Ministerpräsident Wen Jiabao wollen unterdessen am Freitag zu einem Vier-Augen-Gespräch in Kopenhagen zusammenkommen.
Die Europäische Union erwartet indes weitergehende Zusagen der USA. "Ich gehe wirklich davon aus, dass sie etwas zusätzliches ankündigen werden", sagte Kommissions-Präsident Jose Manuel Barroso. Obama werde sicherlich nicht einfach wiederholen, was bislang im amerikanischen Entwurf stehe.
Die Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch, die auf unseren Seiten regelmäßig in einem Blog aus Kopenhagen berichtet, war nach den Worten ihres Politischen Geschäftsführers, Christoph Bals, vor der Schlussrunde der UN-Klimakonferenz optimistisch, dass es in Kopenhagen zu einem erfolgreichen Abschluss kommt. Am Donnerstag habe es deutlich positive Bewegungen gegeben, sagte Bals der Nachrichtenagentur AFP.
Er verwies dabei auf chinesische Zusagen zur gesetzlichen Absicherung eigener Klimaschutzanstrengungen sowie auf die Ankündigungen Clintons über Beiträge ihres Landes zu langfristigen Finanzhilfen für Entwicklungsländer. Es dürfe jedoch "keine bloßen Absichtserklärungen ohne klares rechtliches Mandat geben", mahnte Bals.
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