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Hitzewellen nehmen zu: NRW wird zum Verlierer des Klimawandels

VON STEFAN KLÜTTERMANN - zuletzt aktualisiert: 29.04.2009 - 13:14

Düsseldorf (RP). In NRW vollzieht sich nach Ansicht von Experten der Klimawandel schneller als im Bundestrend. Prognosen zeichnen ein ernstes Bild: Die Hochwassergefahr steigt, Hitzewellen nehmen zu, für Kraftwerke wird das Kühlwasser knapp, und Wintersport im Sauerland ist ein Auslaufmodell.

Klicken Sie auf das Bild, um die  Foto: RP
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Wenn Wolfgang Kusch über den Klimawandel spricht, verwendet er gerne das Bild vom Klimazug. „Der Zug rollt”, hatte der Präsident des Deutschen Wetterdienstes (DWD) schon 2007 gewarnt. Gestern, bei der Vorstellung der Klimadaten für 2008, korrigierte er: Der Zug rolle nicht nur, er fahre auch schneller als erwartet ­ aktuell durch den wärmsten April aller Zeiten. Im Kusch‘schen Bild übernimmt NRW die Rolle des Schnellzuges. An Rhein und Ruhr zeichnen sich die Prognosen der Klimaforscher noch deutlicher ab, als in anderen Bundesländern.

Seit 1901 hat die Jahrestemperatur in NRW um 1,1 Grad, die Regenwahrscheinlichkeit um 12 Prozent zugenommen. Tendenz in beiden Fällen: steigend. „Die Klimaveränderungen laufen schneller ab als angenommen”, sagt auch Jürgen Kropp vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK), das für das NRW-Umweltministerium die Folgen des Klimawandels in sieben Bereichen untersucht hat.

Die einzelnen Ergebnisse:

Wasser Aufgrund höherer Niederschläge im Winter rechnen die Experten mit steigender Hochwassergefahr vor allem am Rhein. In immer heißeren Sommern droht dann wiederum Niedrigwasser. Das und eine erhöhte Temperatur des Flusswassers könnte Probleme für Kraftwerke bergen, die bei der Stromproduktion auf Kühlwasser angewiesen sind. „Die Untersuchungen haben gezeigt, dass sich das Risiko von Produktionseinschränkungen erhöhen kann”, heißt es im Bericht.

Gesundheit Für das Rheintal und die Kölner Bucht erwarten die Experten bis Mitte des Jahrhunderts eine Verdopplung der Hitzetage (über 30 Grad) gegenüber dem Zeitraum 1961 -­ 1990. Diese Zunahme ist vor allem für ältere Menschen eine Gefahr. In manchen Regionen wie dem Niederrhein oder dem Ruhrgebiet wirken die beiden Faktoren laut Studie besonders ungünstig zusammen (siehe Grafik). Als weitere Gefahr führen die Potsdamer Forscher eine Ausbreitung von Zecken, Mücken und Pflanzen mit allergener Wirkung an.

Wald Die Waldbrandgefahr könnte nach Expertenansicht steigen. 26 Prozent der Fläche Nordrhein-Westfalens sind mit Wald bedeckt. Zudem sei eine Verlängerung des Waldbrandrisikos bis in den Spätsommer hinein möglich.

Naturschutz Die Nordrhein-Westfalen müssen sich über kurz oder lang von den traditionellen Eckdaten der Jahreszeiten verabschieden. Frühling, Sommer, Herbst und Winter verlagern sich im Jahresverlauf immer weiter nach vorne. Diese klimatischen Verschiebungen können Einfluss auf die Zusammensetzung der Tier- und Pflanzenwelt in den verschiedenen NRW-Regionen haben.

Tourismus Für das Urlaubsland NRW zeichnen die Experten ein zweigeteiltes Bild. Mehr Sonnentage und höhere Temperaturen können sich positiv für naturnahe Angebote wie Radfahren, Wandern oder Wassersport auswirken. Für den Wintersport im Sauerland sieht die Studie dagegen langfristig kaum Überlebenschancen. Mildere Winter und weniger Schneefall erschweren weiße Pisten.

Landwirtschaft Die Bauern in NRW könnten dagegen von der Temperaturerhöhung zunächst profitieren. So sieht die Potsdamer Studie die Ertragsaussichten für Winterweizen und Silomais „sehr günstig”. Auch Stefan Sallen vom Rheinischen Landwirtschafts-Verband sagt: „Wasserknappheit dürfte erst einmal kein Problem sein. Unsere Ackerböden halten Niederschläge sehr gut.” Im Gegenzug droht eine allerdings eine Vermehrung wärmeliebender Schädlinge.

Stadtplanung Der Bericht kritisiert, ein für den Klimawandel relevanter Stadtumbau schreite oft zu langsam voran. Die Städte mit Industrie und Verkehr seien zwar bedeutende Verursacher des Klimawandels, litten aber auch unter der sich stauenden Hitze.

Quelle: RP

 
 
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