Zweifel an UN-Klimaschutzprozess: Schellnhuber: Drei Grad mehr bis 2050
zuletzt aktualisiert: 11.01.2010 - 20:37Berlin (RPO). Mit den bisherigen nationalen Zielen für die Verringerung des CO2-Ausstoßes steuert die Erde nach Einschätzung des Klimaforschers Hans Joachim Schellnhuber auf eine Erwärmung um drei bis vier Grad zu. Nach dem Misserfolg der UN-Klimakonferenz von Kopenhagen äußerte Schellnhuber am Montag in Berlin Zweifel an den Bemühungen auf UN-Ebene. Er forderte mehr Engagement von Wirtschaft und Zivilgesellschaft beim Klimaschutz.
Auf der Vierten Potsdamer Klimakonferenz, die diesmal in Berlin stattfand, warb Schellnhuber einerseits dafür, die UN-Verhandlungen für ein neues Klimaschutzabkommen weiterzuführen, "so gut es geht". Daneben müssten aber auch neue Ansätze wie Gespräche in kleineren Gruppen von Staaten wie den G20 oder einer "Koalition der Willigen" weiterverfolgt werden. Zudem sei Druck aus der Zivilgesellschaft wichtig, "die sich über ihre eigene Zukunft Gedanken macht".
Der Leiter des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) warb auch für eine wieder stärkere Rolle der EU, die in Kopenhagen zuletzt stark an den Rand gedrängt worden sei. Schellnhuber forderte die europäischen Staaten auf, sich einseitig zu einer Verringerung ihrer Treibhausgasemissionen um 30 Prozent bis 2020 zu bekennen.
Stärkere Rolle der NGOs erwartet
Eine stärkere Differenzierung beim Ringen um Klimaschutz und eine wieder stärkere Rolle von Nichtregierungsorganisationen erwartet auch der Leiter der Umweltorganisation Germanwatch, Klaus Milke. "Zum Klimaschutzprozess gibt es keine Alternative, mit oder ohne UNO", sagte er in Berlin. Für ein Festhalten am UN-Prozess warb der Leiter der Klimaabteilung des Umweltbundesamts, Klaus Müschen. Er verwies auf die Notwendigkeit, Schwellenländer stärker in den Klimaschutzprozess einzubeziehen.
Schellnhuber trat in Berlin Äußerungen einzelner Wissenschaftler entgegen, die von einer Pause bei der Erderwärmung oder gar einer neuen Kaltzeit sprechen. Es gelte zwischen kurzfristigen Schwankungen wie Sonnenaktivitäten oder zum Beispiel dem aktuellen Winterwetter und langfristigen Klimatrends zu unterscheiden. "Auch wenn es im Mai Nachtfrost gibt, kommt der Sommer", wies der PIK-Direktor Zweifel am Fortschreiten der Erderwärmung zurück. Aktuell sei es zwar in Europa kalt, auf Grönland und auf der Südhalbkugel der Erde würden aber Rekordtemperaturen verzeichnet.
Die Folgen des Klimawandels zeigten sich beim Abschmelzen polarer Eiskappen sogar stärker als bislang erwartet, warnte Schellnhuber. Insofern könne sich auch das in Kopenhagen immerhin akzeptierte Ziel, die Erderwärmung auf zwei Grad zu begrenzen, als nicht ausreichend erweisen.
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