Klimagipfel in Kopenhagen: Um diese Schlüsselfragen geht es
VON LUDWIG JOVANOVIC - zuletzt aktualisiert: 18.12.2009 - 08:15Kopenhagen (RP). Im Kopenhagener "Bella Center" wird während der hitzigen Diskussionen die Temperatur längst um die zwei Grad gestiegen sein, auf die man die globale Erwärmung bis 2100 begrenzen will. Das halten Klimaforscher für einen Wert, mit dessen Folgen die Nationen weltweit gerade noch zurechtkämen.
Doch dem Gipfel droht das Aus – wenn nicht in buchstäblich letzter Minute die Staats- und Regierungschefs vor allem Europas, der USA und Chinas am letzten Verhandlungstag eine Lösung finden. Noch 102 Punkte sollen in dem Vertragsentwurf strittig sein. Doch im Grunde geht es nur um zwei Punkte: das Geld für die Entwicklungsländer und verbindliche Reduktionsziele für den Ausstoß des klimaschädigenden CO2.
Beim Geld indes könnte es eine Lösung geben: US-Außenministerin Hillary Clinton hatte einen Fonds der reichen Industrienationen in Aussicht gestellt, der ab 2020 jährlich 100 Milliarden Dollar zur Verfügung stellt. Damit könnten Klimaschutzmaßnahmen in den Entwicklungsländern finanziert werden und gleichzeitig ein Wirtschaftsaufschwung angestoßen werden. Doch diese 100 Milliarden sind aus Sicht der Weltbank nicht mehr als eine Minimalforderung für den Klimaschutz in den armen Ländern. Und genauso offen wie die Summe ist auch der Technologietransfer in die Dritte Welt.
Klimagipfel-Blog bei RP ONLINE
Exklusiv für RP ONLINE berichtet die Umweltorganisation Germanwatch in einem Blog aus Kopenhagen. Was die über 20 Germanwatch-Experten erleben, wem sie auf den Konferenzfluren begegnen, worüber sie sich freuen oder ärgern schildern sie >>>hier in ihren Beiträgen.
Bei den verbindlichen Reduktionszielen für das klimaschädigende Kohlendioxid aber scheint jede Nation darauf zu warten, dass eine andere den ersten Schritt macht. Die Marschrichtung ist dabei klar: Bis 2050 soll der Ausstoß gegenüber 1990 um 80 Prozent reduziert werden. Dann ließe sich die globale Erwärmung bis 2100 auf zwei Grad beschränken. Doch in welchen Schritten dieses 80-Prozent-Ziel erreicht werden soll, ist noch offen.
Die EU hat eine Reduktion um 20 Prozent, unter Umständen sogar 30 Prozent bis 2020 angeboten – vorausgesetzt, andere Länder würden mitziehen. Doch die USA beispielsweise sprechen nur von vier Prozent bis 2020 – um dann erst in den Klimaschutz einzusteigen. Weiter möchten die Amerikaner nicht gehen, vor allem mit Blick auf China. Gemeinsam sind die beiden Länder zwar für fast 40 Prozent der Kohlendioxid-Emissionen weltweit verantwortlich. Doch China habe bisher wenig getan, um die Emissionen zu reduzieren, und stoße mehr Kohlendioxid aus als die USA, lautet der US-Vorwurf. China wiederum verweist darauf, dass ein US-Bürger jährlich rund 20 Tonnen CO2 erzeuge – viermal mehr als ein Chinese. Allerdings ist Chinas Bevölkerung auch deutlich größer.
Keine der beiden Nationen möchte sich als Erste zu etwas verpflichten – aus Sorge, die eigene Wirtschaft und Industrie durch zu enge Restriktionen zu schwächen. Zumindest darin ist man sich einig.
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