Die umweltfreundlichste Stadt Europas: Windkraft für Kopenhagen
VON LUDWIG JOVANOVIC - zuletzt aktualisiert: 13.12.2009 - 22:14Kopenhagen (RP). In einer neuen Studie schneidet die dänische Hauptstadt Kopenhagen als umweltfreundlichste Stadt Europas ab. Der Gastgeber der Klimakonferenz hat in den vergangen Jahren Gebäude saniert, setzt auf Windkraft und hat den öffentlichen Nahverkehr ausgebaut. Berlin dagegen landet auf Platz acht.
Das Drehbuch scheint perfekt: Während in Kopenhagen die Klimakonferenz tagt, leuchten an einem Weihnachtsbaum LED-Lämpchen auf. Die Energie für sie liefern Menschen, die auf einem Fahrrad in die Pedale treten und damit einen kleinen Generator antreiben. Das ist CO2-neutral, innovativ und auch ein ganz klein wenig mit der Grund, warum Kopenhagen die umweltfreundlichste Stadt Europas ist. Das ist zumindest das Ergebnis einer Studie, die vom deutschen Technologiekonzern Siemens gesponsert und von den britischen Analysten des Magazins "Economist" durchgeführt wurde.
30 Hauptstädte Europas hat man dafür untersucht, unter anderem den Anteil der Kohlendioxid-Emmisionen pro Einwohner und das öffentliche Nahverkehrssystem bewertet – ebenso wie die Wasser- und Luftqualität sowie die Müllentsorgung. Einer der wichtigsten Punkte aber seien die Gebäude. Denn die "bieten das meiste Potenzial", um den Treibhausgas-Ausstoß zu reduzieren, so Siemens-Forschungs- und Entwicklungschef Reinhold Achatz. Sei es durch Wärmedämmung, sparsame Heizsysteme oder Energiesparlampen. Und gerade in diesen Punkten führt in der Studie noch vor Kopenhagen Berlin die Statistik an. Der Grund liegt im Osten der Hauptstadt: Dort wurden in den vergangenen Jahren 273 000 Wohnungen, die noch aus den Zeiten der DDR stammten, saniert und dadurch eins bis 1,4 Tonnen CO2 pro Wohnung eingespart.
Klimagipfel-Blog
Exklusiv für RP ONLINE berichtet die deutsche Umweltschutz-Organisation Germanwatch regelmäßig in einem Blog von den Geschehnissen auf der Konferenz von Kopenhagen. Was die über 20 Germanwatch-Experten während der elf Verhandlungstage erleben, wem sie auf den Konferenzfluren begegnen, worüber sie sich freuen oder ärgern schildern sie >>>hier in ihren Beiträgen.
In der Gesamtbewertung aber muss sich Berlin mit Platz acht begnügen, während Kopenhagen das Ranking anführt – dicht gefolgt von Stockholm. Teilweise ist das indes nicht das Verdienst der dänischen Hauptstadt selbst. Nach der Ölkrise in den 70er Jahren fand in Dänemark ein Umdenken statt. Man wollte eine unabhängige Energieversorgung aufbauen. Mittlerweile werden etwa 20 Prozent des Energiebedarfes des Landes in "sauberen" Windkraftanlagen entlang der Küste erzeugt. Der Anteil soll bis 2025 auf 50 Prozent ausgebaut werden.
Davon profitiert im Ranking auch Kopenhagen. Doch die Hauptstadt hat sich selbst noch ambitioniertere Ziele gesetzt. Unter anderem hat man ein striktes Programm aufgelegt, um die Gebäude so energieeffizient wie möglich zu machen. Zudem hat man eine Infrastruktur geschaffen, die vor allem auf Fahrräder setzt. So wurden Radwege ausgebaut und so vernetzt, dass man innerhalb der Stadt fast jeden Punkt per Pedalkraft erreichen kann. Der Effekt: 36 Prozent der Einwohner radeln zur Arbeit. Bis 2015 soll der Anteil auf 50 Prozent steigen. Möchte man indes auf das Zweirad verzichten, findet jeder Bürger der dänischen Hauptstadt im Umkreis von 350 Meter eine Haltestelle der Metro oder eines Busses – egal wo in Kopenhagen er sich befindet.
Zwar bewegt sich man sich dort genauso wie die anderen Städte der Studie im engen Rahmen der Vorgaben der jeweiligen Regierung, wie James Watson, einer der Autoren der Studie, sagt. Doch auch innerhalb dieser Grenzen ließe sich viel erreichen. Denn die Umweltfreundlichkeit einer Stadt hängt stark von der durchschnittlichen Wirtschaftskraft ab. Oslo erreicht da knapp 80 000 Euro pro Einwohner, Kopenhagen kommt immerhin noch auf mehr als 60 000 Euro. Berlin liegt mit ca. 24 000 Euro im Mittelfeld. Und gerade die armen Städte im Süden und Osten Europas würden in der Studie schlecht abschneiden.
Doch die Analyse zeige auch, so Watson, dass es beim Umweltschutz auf die Bereitschaft der Bürger ankomme, sich zu engagieren. Und das wiederum "bedeutet politischen Druck, der im Parlament gehört wird", so Ritt Bjerregard, die Oberbürgermeisterin Kopenhagens. Für sie ist es kein Zufall ist, dass die Stadt der Klimakonferenz auch so gut in der Studie abschneide. Zum einen sei man ja auch aufgrund dieses Engagements für den Weltgipfel ausgewählt worden. Zum anderen hätte man sich mit Blick darauf noch etwas mehr angestrengt.
Und solche Anstrengungen der Städte seien enorm wichtig. Denn dort werde der Kampf gegen die globale Erwärmung entschieden, sagt Reinhold Achatz. Schon jetzt würde mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung in urbanen Regionen leben und nicht auf Land. Aber sie wären für rund 80 Prozent der CO2-Emissionen verantwortlich.
Die Studie soll darum auch zeigen, was bereits jetzt möglich ist, um den Ausstoß der Klimagase in den Städten zu reduzieren. Würde man beispielsweise in Europa die gesamte Straßenbeleuchtung auf LED-Systeme umstellen, ließen sich so jährlich 3,5 Millionen Tonnen CO2 einsparen.
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