Umfrage in den Ländern: Länder beim Einheitsschulbuch gespalten
zuletzt aktualisiert: 30.07.2007 - 18:29Berlin (RPO). Annette Schavans Initiative zur Vereinheitlichung von Schulbüchern stößt in den Bundesländern auf unterschiedlichste Reaktionen. Während die Bildungspolitiker aus Hamburg oder Schwerin dem Vorstoß offen gegenüber stehen, kommt aus Schleswig-Holstein ätzende Kritik. Landesministerin Ute Erdsiek-Rave fühlt sich an die DDR erinnert.
Die Nachrichtenagentur AP hat am Montag eine Unfrage unter den Ländern erhoben. Das Ergebnis ist wenig einheitlich. Die Skepsis jedoch überwiegt. So nannte etwa der thüringische Kultusminister Jens Goebel das Vorhaben "weder wünschenswert noch praktikabel".
Sein bayerischer Kollege Siegfried Schneider verwies wie andere Landesminister auf das Ziel gemeinsamer Bildungsstandards, betonte aber: "Der Weg dorthin ist Ländersache."
Dagegen sagte der Bildungsminister von Mecklenburg-Vorpommern, Henry Tesch, zu einheitlichen Standards "gehören auch einheitliche Schulbücher, insbesondere in den Grundfächern". Das würde nicht nur den Lehrern die Arbeit erheblich erleichtern, sondern auch zu mehr Transparenz und Vergleichbarkeit der Leistungen zwischen den einzelnen Bundesländern führen.
"Prüfenswert"
Auch die Hamburger Bildungsbehörde hält Schavans Vorschlag für durchaus prüfenswert - vor allem unter dem Kostengesichtspunkt. "Wenn größere Auflagen dazu führen könnten, dass die Bücher für die Kinder billiger werden, wäre das begrüßenswert", sagte ein Sprecher.
"Frau Schavan stellt keine neue Forderung, sondern beschreibt Konsequenzen einer Entwicklung, an der wir schon intensiv arbeiten", sagte die Sprecherin des Kultusministerium von Sachsen-Anhalt, Brigitte Deckstein. Gäbe es einheitliche Bildungspläne, würden sich die Verlage sicher nicht der Mühe unterziehen, unterschiedliche Bücher für die verschiedenen Länder zu produzieren.
Der saarländische Bildungsminister und Vizepräsident der Kultusministerkonferenz (KMK), Jürgen Schreier (CDU), sagte dem "Tagesspiegel", Schavans Vorschläge seien nur "als grundsätzliche Meinungsäußerung" zu bewerten. Spätestens mit der Föderalismusreform sei die Schule nicht mehr Sache des Bundes, sondern falle in die Kompetenz der Länder: "Die Sehnsucht nach mehr Zentralität ist kennzeichnend für jede Bundesbildungsministerin, unabhängig von ihrer Parteizugehörigkeit."
Auch seine schleswig-holsteinische Kollegin Ute Erdsiek-Rave wies Schavans Vorstoß zurück: "Ihre Initiative geht am eigentlichen Thema, nämlich den vielen unterschiedlichen Schulsystemen, vorbei. Sie kommt zu spät und ist unkonkret", sagte die SPD-Politikerin der Zeitung. "Schavans Forderung nach mehr gemeinsamen Schulbüchern erinnert mich an die DDR", fügte Erdsiek-Rave hinzu.
Kritik von GEW und Philologenverband
"Wir wollen den Schulen doch gerade mehr Freiheiten geben, damit sie ein eigenständiges Profil herausbilden können", sagte der niedersächsische Kultusminister Bernd Busemann (CDU) der "Neuen Osnabrücker Zeitung". "Wir kämpfen doch gemeinsam gegen die Einheitsschule, da brauchen wir doch auch kein Einheitsschulbuch." Busemann erinnerte daran, dass sich Schavan als baden-württembergische Ministerin selbst gegen solche Vorstöße von Bundesebene verwahrt habe.
Der jetzige baden-württembergische Kultusminister Helmut Rau (CDU) sagte der "Südwest Presse", die verfassungsmäßig verbürgte Vielfalt, wie sie sich aus der Kulturhoheit der Länder ergebe, müsse sich auch in Zukunft widerspiegeln: "Schulen würden nicht besser, wenn wir zur zentralistischen Führung übergingen."
Das Schulbuch sei das falsche Mittel zur Vereinheitlichung, erklärte der Sprecher des nordrhein-westfälischen Schulministeriums. Die Lehrpläne sollten die Buchinhalte bestimmen und nicht umgekehrt. "Frau Schavans Vorschlag ist Populismus", sagte der Vorsitzende der Gewerkschaft GEW in Nordrhein-Westfalen, Andreas Meyer-Lauber.
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