Kongo: 125.000 Gorillas entdeckt
VON SINA ZEHRFELD - zuletzt aktualisiert: 06.08.2008 - 15:17Edinburgh (RP). Eine neue Studie macht Artenschützer glücklich: In tiefen, unzugänglichen Waldgebieten im Norden der Republik Kongo leben demnach 125.000 Westliche Flachlandgorillas, von denen Wissenschaftler nichts ahnten.
Tief in den schattigen Regenwäldern der Republik Kongo, verborgen vor den Augen von Forschern und Tierschützern, sollen rund 125.000 Gorillas leben, mit denen im wahrsten Sinne des Wortes niemand gerechnet hatte. 125.000 Tiere, die bisher in keinem Bestandsverzeichnis und keiner offiziellen Schätzung auftauchten.
Wenn diese Zahl, die gestern auf einer Konferenz der Internationalen Primatologischen Gesellschaft in Edinburgh vorgestellt wurde, auch nur annähernd stimmt, dann gibt es auf der Welt mehr als doppelt so viele Westliche Flachlandgorillas wie bislang angenommen.
Der Westliche Flachlandgorilla ist eine von vier Unterarten des Gorillas, die sämtlich als akut gefährdet gelten. Man nahm an, dass weltweit weniger als 100.000 Westliche Flachlandgorillas existierten. Und diese Daten stammen aus den 80er Jahren: Seitdem ist der Bestand durch das Vordringen der Menschen in die Wildnis, durch Abholzung der Wälder, durch die Jagd und durch Krankheiten, allen voran Ebola, immer weiter geschrumpft.
Die 125.000 Affen, deren Existenz die Artenschützer jetzt feiern, seien früher nie mitgezählt worden, „weil sie in sehr entlegenen Gebieten leben, die kaum zugänglich sind“, erläuterte die an der neuen Studie beteiligte Biologin Emma Stokes. Es handele sich um zwei waldreiche Regionen im Norden der Republik Kongo. Verantwortlich für die Forschungen waren die Wildlife Conservation Society in New York und die kongolesische Regierung.
Mit Vorsicht zu genießen
Der Biologe Craig Stanford von der University of South Carolina sprach von einer „guten Nachricht, wie wir sie bei dem Schutz sehr gefährdeter Tiere selten bekommen“. Die Zahlen müssten aber noch durch weitere Untersuchungen bestätigt werden. Experten warnen deshalb vor voreiliger Euphorie. „Diese Zahl ist extrem mit Vorsicht zu genießen“, sagt der Artenschutzexperte Volker Homes vom WWF. „Es ist eine Schätzung aufgrund von Hochrechnungen. Diese Regenwälder gehören zu den noch unerforschtesten Regionen, die es auf der Erde überhaupt gibt. Man kann nicht alles absuchen und unmöglich alle Gorillas zählen.“
Weil die Tiere in Gruppen herumziehen, würden gewöhnlich ihre Schlafstätten in einer bestimmten Gegend erfasst. Anhand dieser würden Schlüsse über ihr Vorkommen in größeren Arealen gezogen. Die neue Studie sei zwar „absolut vertrauenswürdig“ und „eine sehr gute Nachricht“, sie könne aber keine Exaktheit bieten, so Homes.
Keine Garantie für das Überleben der Art
Außerdem sei auch eine Achtelmillion Tiere mehr keine Garantie für das Überleben der Art: „Es gibt keinen Grund zur Entwarnung. Der Westliche Flachlandgorilla wird weiter als bedroht gelten. Innerhalb weniger Jahrzehnte kann es zur dramatischen Ausrottung kommen.“
Andererseits: Hoffnung sei immer angebracht. „Vom Berggorilla gibt es insgesamt nur noch 670 bis 700 Tiere. Aber selbst für die gäbe es eine gute Prognose, wenn man alle Gefahren ausschalten würde.“ Dass das in den bislang so unberührten Kongo-Wäldern passiert, ist allerdings fraglich. „Der Kongo hat die größte Artenvielfalt an Menschenaffen, und das in besonders großer Anzahl.
Dort müssten jetzt Maßnahmen ergriffen werden, damit dieser Naturschatz erhalten bleibt – mit internationaler Hilfe“, sagt Homes. Das heißt, es müssten Rodungen begrenzt und Umweltschutzgesetze durchgesetzt werden: „Das ist natürlich schwer in einem Land, in dem jahrelang Bürgerkrieg geherrscht hat.“
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum








