Folgen des Klimawandels: Bis Ende des Jahrhunders keine Alpengletscher mehr
zuletzt aktualisiert: 02.11.2006 - 17:26Berlin (RPO). Bis zum Ende des Jahrhunderts könnten alle Alpengletscher vollständig verschwinden. Ursache ist der Klimawandel, der die Gletscher schneller schmelzen lässt als bisher angenommen. Die Folgen werden spürbar sein: Erdrutsche, Schlammlawinen und Überschwemmungen.
Das Eis schmelze weltweit in einem nicht für möglich gehaltenen Tempo ab, erklärte die Umweltorganisation Greenpeace am Donnerstag. In den Alpen seien als Folge schon in den nächsten Jahre mehr Erdrutsche, Schlammlawinen und Überschwemmungen absehbar. Langfristig drohten Trinkwassermangel und Verkarstung der Landschaft.
Anlass des Greenpeace-Reports ist der UN-Klimagipfel in Nairobi, der kommende Woche beginnt. Dort soll darüber verhandelt werden, ob 2007 ein neues Klimaabkommen für die Zeit nach 2012 in Angriff genommen werden könnte. "Uns schmelzen die Gletscher vor den Augen weg, doch die Politiker halten Sonntagsreden", kritisierte Greenpeace-Klimaexperte Karsten Smid. Stattdessen müssten alle Staaten - und vor allem die Industrieländer - ihr Äußerstes versuchen, den Ausstoß von Klimagasen unter Kontrolle zu bekommen. Die nächsten zehn Jahre seien entscheidend.
Smid nannte die Ergebnisse des Gletscher-Reports alarmierend. Vergleiche der Gletschermassen zeigten, dass die Abschmelzrate in den letzten Jahren dramatisch zugenommen habe. Zwar gebe es innerhalb der Gletscherregionen Unterschiede. Doch gelte im Durchschnitt, dass in den 13 Jahren von 1991 bis 2004 doppelt so viel Gletschermasse abgeschmolzen sei wie in den 29 Jahren von 1961 bis 1990. Von 2001 bis 2004 habe sich das Abschmelzen der Gletscher noch einmal kräftig beschleunigt. Grönland verliere inzwischen mit 240 Kubikkilometer pro Jahr drei Mal so viel Eis wie in den Jahren vor 2003.
Zu den Alpengletschern gebe es Fotovergleiche der "Gesellschaft für ökologische Forschung". So schrumpfte zum Beispiel der Triftgletscher im Berner Oberland in der Schweiz im Jahr 2005 um 216 Meter. "Es geht viel schneller, als wir uns das jemals vorgestellt haben", betonte Sylvia Hamberger von der "Gesellschaft für ökologische Forschung".
Wissenschaftler prognostizieren laut Greenpeace, dass kleinere Alpengletscher bereits bis 2050 verschwunden sein werden, alle anderen fast komplett bis Ende des Jahrhunderts. Weltweit fürchteten Wissenschaftler vor allem das Abschmelzen der Polkappen. Überschwemmungen infolge steigender Meeresspiegel könnten bis zu 100 Millionen Menschen zu Klimaflüchtlingen machen.
Auch Umweltstaatssekretär Michael Müller betonte, die Staatengemeinschaft dürfe im Kampf gegen den Klimawandel keine Zeit verlieren. Nun beginne die zweite Phase der internationalen Klimaschutzpolitik. Beim Abbau von Treibhausgasen müssten auch nach 2012 die Industrieländer vorangehen.
Ungeachtet aller Anstrengungen werde der Ausstoß an Klimagasen aber noch die nächsten zehn bis 15 Jahre anwachsen, sagte Müller. Erst danach könne er zurückgehen. Hintergrund sei das rasche Wachstum in Schwellenländern wie China und Indien, aber auch zusätzliche Treibhausgase aus Osteuropa und den USA.
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