60 Millionen Euro teuer: Das deutsche Super-Aquarium
VON ANDREAS FROST - zuletzt aktualisiert: 11.07.2008 - 15:41Stralsund (RPO). Kanzlerin Angela Merkel hat das neue Ozeaneum in Stralsund eingeweiht. Der 60 Millionen Euro schwere Neubau beherbergt das größte Aquarium Deutschlands mit fast 40 Meerwasserbecken und lebensgroßen Walmodellen.
Meeresrauschen tönt durch die abgedunkelte Halle. Aus der Tiefe dringt der Gesang von Buckelwalen zu den im Podium sitzenden Gästen. Über ihren Köpfen streicht mattblaues Licht über das lebensechte Modell eines 26 Meter langen Blauwals, das unter der 20 Meter hohen Hallendecke hängt.
Die Eröffnungsszenerie, mit der am Freitag das Ozeaneum in Stralsund feierlich eingeweiht wurde, ließ auch die Kanzlerin ins Schwärmen geraten. "Aus unserem Traum ist Wirklichkeit geworden", sagt Angela Merkel (CDU), die hier ihren Wahlkreis hat, "wir können nun trockenen Fußes in die geheimnisvolle, faszinierende Unterwasserwelt mit all ihren Schönheiten eintauchen." Man könne aber auch etwas über Umweltgefährdungen in den Meeren erfahren, fügt die Kanzlerin hinzu.
Reise durch die europäischen Kaltwassermeere
Die neue maritime Einrichtung auf der Stralsunder Hafeninsel werde nicht nur ein Museum von deutschlandweiter Bedeutung sein, sondern zugleich auch ein Ort der Bildung und Forschung. Die 60 Millionen Euro Baukosten, die der Bund zur Hälfte übernommen habe, seien gut angelegt, sagt die Kanzlerin vor mehr als 300 geladenen Festgästen. Als Forschungs- und Bildungsort erhalte die alte Seehandelsstadt zudem ein Stück Weltoffenheit.
Beim anschließenden Rundgang lädt Museumsdirektor Harald Benke seine Besucher zu einer Reise durch die europäischen Kaltwassermeere. Die Kanzlerin lässt sich auf einen symbolischen Abstieg in den Stralsunder Hafen ein. So ungefähr sehe es im Hafenbecken vor unserer Hautür aus, sagt Benke und zeigt auf ein Becken, in dem sich ein Schwarm kleiner Barsche und Plötze über einem verrosteten Fahrrad tummelt.
39 Schau-Aquarien
Insgesamt 39 Schauaquarien stellen im Ozeaneum die Tierwelten von Ostsee, Nordsee und Atlantik vor. Doch der Besuchertross gelangt vorerst nur bis zum Kattegat. Weil es zu Verzögerungen im Filterbau kam, bleiben Nordsee- und Atlantikabteilung vorerst noch geschlossen. "Spätestens in 14 Tagen wird sich auch in diesen Aquarien das Wasser klären", versichert Aquarien-Chefin Nicole Kube. Erst wenn die Wasserverhältnisse naturgerecht seien, könnten die vor Norwegen gefangenen Fische aus den Quarantänebecken in ihre neuen Riesenaquarien umziehen.
Das gilt auch für das mit 2,6 Millionen Litern Volumen größte Aquarium Deutschlands. Erst vor zwei Tagen habe die Feuerwehr zum Test Wasser aus dem Sund in das haushohe Schwarmfischbecken gepumpt, erklärt Technik-Chef Andreas Tanschus und klopft an die 32 Zentimeter starke Acrylglasscheibe. "Das Becken ist dicht, kommende Woche liefert ein Schiff sauberes Ostseewasser, und dann wird auch bald ein aus 2500 Heringen bestehender Schwarm durch das Oval ziehen."
Reduzierte Eintrittspreise
Die Ausstellung werde in den nächsten Monaten schrittweise komplettiert, versichert Museumsdirektor Benke, der sogar eine Fangexpedition zum größten Tiefseekorallenriff der Welt plant.
Weil noch nicht alles komplett fertig wurde, lädt das Ozeaneum ab Samstag mit reduzierten Eintrittspreisen zu einem ersten Besuch. Die Stralsunder und ihre Gäste wollen am Wochenende auf der Hafeninsel mit einem großen Volksfest das nach der Rügenbrücke nun schon zweite große Bauprojekt der jüngsten Stadtgeschichte feiern.
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