Wissen der Zukunft: Das neue Mega-Netz wächst heran
VON SILKE FREDRICH - zuletzt aktualisiert: 28.11.2008 - 11:04Düsseldorf (RP). Überall erreichbar, rund um die Uhr mit Nachrichten versorgt, immer in Kontakt mit anderen Menschen – auch wenn sie tausende Kilometer weit weg sind. In Zeiten moderner Handytechnik und Internetverbindungen ist das zwar schon heute Alltag. Doch die immer ausgeklügeltere und leistungsfähigere Technik hält in wenigen Jahren noch viel mehr Möglichkeiten für Menschen bereit– auf der Basis eines schnelleren Netzes.
Schon jetzt verfügen zwei Drittel aller deutschen Haushalte über einen schnellen DSL-Internetanschluss mit Datenübertragungen von zwei Megabit pro Sekunde und mehr. Doch tatsächlich ist das nur eine Zwischenstation. Die Verlegung von Glasfaser im Kabelnetz und der Ausbau des Funknetzes auf schnellere Standards lassen mit höheren Datenübertragungsraten und -mengen das Internet zur Schlüsseltechnologie werden.
Denn im kommenden „Internet der Dinge“ finden sich nicht nur Daten, sondern es werden auch Alltagsgegenstände vernetzt – auf die online zugegriffen werden kann. Heute wird das weltweite Netz sehr oft nur als Übertragungsplattform für Telefonie (IP-Telefonie), Surfen, Fernsehen (IPTV) und den mobilen Online-Zugriff genutzt. Neben reiner Datenübertragung kann das Internet aber auch Basis für Anwendungen sein, die unseren Alltag unterstützen, etwa beim Einkaufen oder Auffinden von Gegenständen, bei der Steuerung elektronischer Geräte oder der Steigerung von Energie-Effizienz.
Das Fraunhofer Institut testet an Wohnhäusern, die mit Glasfaserkabeln ausgestattet sind, derartige Anwendungen. Durch die Vernetzung von Heizung, technischen Geräten und Messinstrumenten verarbeitet ein Chip die zugeleiteten Verbrauchsdaten und ermittelt, wie und an welchen Stellen Energie gespart werden kann. Auch im Arbeitsalltag und der Freizeit kann sich bei leistungsfähigeren Netzen vieles ändern. Unabhängig von Geräten können sich Nutzer von jedem Ort und zu jeder Zeit in ein Netzwerk einwählen.
Ein bisschen wie bei den Weltraumabenteuern von „Star Wars“ wirken die Videokonferenzen der Zukunft zwischen Unternehmen. Mit Hilfe von Hologrammen sollen hochauflösende Filme, Bilder oder Präsentationen übermittelt und mitten in einem Raum angezeigt werden. Zudem soll jeder Konferenzteilnehmer Zugriff auf die Anzeigen des Hologramms haben.
Faltbare Handydisplays für unterwegs sollen zudem ermöglichen, übermittelte Daten und Webseiten auch auf größerer Fläche ansehen zu können. Denkbar wäre mit dieser Technik auch, Fußballspiele für Public Viewing auf beliebige Flächen zu werfen und hochauflösend anzusehen. Forscher der Universität Washington arbeiten sogar ein einem Verfahren, das ein Rasterbild direkt auf die Netzhaut des Auges zeichnet. Von der Technik wird erwartet, dass Menschen mit nur geringer Sicht dann wieder klar sehen können.
Doch die Datenflut, die in den nächsten Jahren auf uns zukommt, bringt auch Probleme mit sich. Denn dem Internet als zentrale Technologie droht der große Datenstau. Deshalb ist das Aufrüsten der Netze dringend notwendig. Allein bis 2012, heißt es in den Kalkulationen der Festnetzbetreiber, werden fast alle der weltweit rund 1,2 Milliarden traditionellen Telefon- in Breitbandanschlüsse umgewandelt sein. Fünf Milliarden Menschen werden täglich im Netz surfen und selbst Inhalte einstellen.
Das Portal Youtube ist mit seinen Online-Videos schon heute für bis zu zehn Prozent des gesamten Internetverkehrs verantwortlich. Allein im Frankfurter Daten-Knoten, dem nach Amsterdam zweitgrößten Internet-Autobahnkreuz der Welt, verdreifachte sich der Verkehr im vergangenen Jahr. Statt 120 Gigabyte (so viel wie etwa 15 Spielfilm-DVDs) strömen heute 400 Gigabyte (etwa 50 DVDs) pro Sekunde durch die fünf im Stadtgebiet verteilten Rechenzentren. Maximal kann die Datenautobahn 1200 Gigabyte pro Sekunde bewältigen.
Dem Jahr 2015 wird dabei besondere Bedeutung zukommen. Bis dahin will die Deutsche Telekom den gesamten Telefonverkehr ins Internet übertragen. Die alten Telefonnetze sollen dann abgeschaltet werden. Damit wird das Internet zum universellen Meganetz für alle Formen der Kommunikation und Information.
In Fachkreisen wird das neue Meganetz auch als NGN, also Next Generation Network, bezeichnet. Um diese Datenflut und alle neuartigen Anwendungen steuern zu können, gibt es derzeit weltweit unter Netzbetreibern (Kabel und Mobil) Diskussionen, wer wie viel Geld in den Ausbau der Netze investieren soll und wie Betreiber miteinander kooperieren können. Einig sind sich die Netzbetreiber in einem Punkt – dass sie schnell sein müssen, um den drohenden Kollaps der Datenautobahnen zu verhindern.
Internet-Ausrüster Alcatel-Lucent stärkt dazu gerade die künftigen Rennstrecken im Netz zwischen Indischem Ozean und Pazifik mit Unterseekabeln. Denn ein Ausfall zu Jahresbeginn im Nahen Osten hat eine Woche lang Verbindungen zwischen der Golfregion und Indien lahmgelegt.
Während sich Netzbetreiber um den Ausbau unter und auf der Erde kümmern, tüftelt die US-amerikanische Raumfahrtbehörde Nasa bereits an einem interplanetarischen Kommunikationsnetz, so dass Handygespräche sogar auf Millionen Kilometer Entfernung möglich werden.
Vielleicht erfüllt sich damit doch noch die Vision der Wissenschaftler, dass beim Verwählen ein Außerirdischer am anderen Ende „ans Telefon“ geht.
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