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Wissen der Zukunft: Das Öl reicht noch 25 Jahre

VON LUDWIG JOVANOVIC - zuletzt aktualisiert: 24.11.2008 - 07:54

Düsseldorf (RP). serie Ohne Eisen und Öl würde unsere Welt nicht mehr funktionieren. Doch die Rohstoffe werden langsam knapp. Recycling und neue Verfahren können das Problem zwar oft lösen. Doch das funktioniert nicht beim Öl – außer es werden neue Quellen erschlossen. Ölsand ist eine Möglichkeit.

Billiges Benzin an der Tankstelle hat die Sorgen nach hinten gedrängt. Öl scheint doch noch nicht Mangelware zu sein. Aber das ist nur eine Momentaufnahme, deren Ursache in den Wechselspielen des Marktes liegt. Und bis 2020 wird vermutlich der Wendepunkt erreicht sein, ab dem die Ölförderung jedes Jahr abnehmen wird – weil die Lagerstätten erschöpft sind. Länder wie Dubai haben darauf längst reagiert, weil sie ihren Reichtum schwinden sehen. Sie investieren in luxuriöse Wohn- und Touristen-Anlagen, um in Zukunft nicht auf dem Trockenen zu schwimmen. Und der Automobilhersteller Volkswagen hat bereits im März 2006 beim Genfer Automobilsalon verkündet, dass „das Benzinzeitalter möglicherweise seinen Höhepunkt überschritten hat“.

Doch nicht nur das konventionelle Rohöl wird in Zukunft zur Mangelware. Der Trend trifft viele Rohstoffe: Die Reserven für Ressourcen wie Indium und Germanium, die in der Elektronik-Industrie benötigt werden, sollen in fünf bis sieben Jahren erschöpft sein. Zumindest nach derzeitigen Prognosen. Das führt zu steigenden Preisen: Der Wert der deutschen Rohstoff-Importe kletterte von 2004 bis 2006 auf 30,9 Milliarden Euro um fast das Doppelte, so die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR)

Doch anders als beim Öl gibt es dafür einfache Lösungen: Wiederverwertung und neue Verfahren. Der Hightech-Konzern Siemens beispielsweise recycelt Indium, das beim Bau von Röntgenröhren verwendet wird, vollständig. Und statt mit teurem Silber und Zinn zu löten, wird zunehmend auf Laserschweißverfahren gesetzt. Auch beim Stahl wird die Rolle von Eisenerz immer kleiner und wächst die Bedeutung von Schrott.

Zudem sind für viele Rohstoffe bei weitem noch nicht alle Lagerstätten erschlossen worden. Steigende Preise machen Minen lukrativ, die vor Jahrzehnten links liegen gelassen wurden. Beispiel Kupfer: Nach BGR-Angaben lag die Grenze der Wirtschaftlichkeit Anfang des 20. Jahrhunderts bei 25 Kilogramm Kupfer pro Tonne Erz. Heute sind es nur fünf Kilogramm pro Tonne.

Also Entwarnung an der Rohstofffront? Nur bedingt, denn Öl wird in absehbarer Zeit knapp werden. Außer es werden neue, nicht konventionelle Quellen erschlossen. Und die gibt es bereits: Ölsand. Dahinter verbirgt sich ein natürliches Gemisch aus Wasser, Sand, Ton und Bitumen (Erdpech). Mit 35 Milliarden Tonnen in 70 Ländern liegen die Reserven auf Höhe der Rohölvorkommen Saudi-Arabiens. Andere Schätzungen gehen sogar davon aus, dass zwei Drittel der weltweiten Ölvorkommen in dem Sand zu finden sind – mit den größten Reserven in Venezuela und der kanadischen Provinz Alberta. Gerade dort wird Ölsand bereits im großen Maßstab abgebaut.

Die Sache hat allerdings mehr als einen Haken: Um eine Tonne Bitumen zu gewinnen, müssen derzeit zwölf Tonnen Ölsand abgebaut werden – und das unter hohem Aufwand: Die BGR schätzt, dass zehn bis 20 Prozent der Energie im Ölsand alleine für die Förderung benötigt werden. Rentabel klingt anders, und es lohnt sich auch nur angesichts eines hohen Ölpreises. Davon abgesehen, dass die Umwelt extrem darunter leidet.

Wo in Kanada Ölsand abgebaut wird, verwandelt sich das Land in eine kahle Einöde. Derzeit werden nur die Schichten nahe der Oberfläche im Tagebau abgegraben. Zudem werden enorme Mengen Wasser benötigt, um Sand und Öl zu trennen. Dadurch sinkt der Grundwasserpegel mit noch nicht absehbaren ökologischen Folgen. Ganz zu schweigen vom Methan, das beim Abbau frei wird – und etwa 21-mal schädlicher für das Klima ist als Kohlendioxid.

Damit Ölsand wirklich eine Alternative ist, werden Hightech-Lösungen benötigt. Vor allem auch, um auch Lagerstätten ab 60 Meter Tiefe rentabel erschließen zu können. Und dafür zeichnet sich tatsächlich schon eine Lösung ab: Strom. Der Siemens-Forscher Bernd Wacker hat ein Verfahren entwickelt, bei dem feuchter Sand mit 400 Ampere Stromstärke elektrisiert wird. Genauso wie beim Induktionsherd erzeugt eine Kupferspule dabei ein magnetisches Wechselfeld, das in leitfähigen Materialien Wirbelströme erzeugt – die einen Metall-Topf auf dem Herd genauso erhitzen können wie mit Salzwasser getränkten Sand. Denn die gelösten Salze sind nichts anderes als freie Ladungsträger, die durch das Magnetfeld beeinflusst werden.

Der Rest klingt einfach: Ein Induktionskabel wird in der Erde versenkt und Strom durchgejagt: Der Ölsand erhitzt sich und die Bitumetröpfchen lösen sich so langsam von den Körnern ab. Anschließend werden sie in einem Drainagerohr aufgefangen. Der Wasserverbrauch soll so mindestens halbiert werden – falls überhaupt noch Wasser benötigt wird. Zudem kann so in der gleichen Zeit 20 Prozent mehr Bitumen gewonnen werden. In Simulationen. Denn man bewegt sich da auf technologischem Neuland. Bisher wurden Induktionskabel nur mit zwei Meter Länge für Herde gebaut. Wenn in Alberta 2010 eine Pilot-Anlage in Betrieb geht, wird ein anderer Induktionsleiter benötigt: Er muss mehrere Kilometer lang sein und sowohl hohen Temperaturen als Spannungen widerstehen können.

Quelle: RP

 
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