Neue "Rote Liste" mit bedrohten Tier- und Pflanzenarten: Der Gorilla stirbt aus
zuletzt aktualisiert: 13.09.2007 - 17:32Genf (RPO). Menschenaffen sind ungewöhnlich: Sie fühlen, pflegen Familienbande. Sie haben Erinnerungen und planen die Zukunft. Aber viele Menschenaffen haben kaum noch eine Zukunft. So wird der Westliche Gorilla (Gorilla gorilla) auf der neuen Roten Liste bedrohter Tier- und Pflanzenarten jetzt als "ernsthaft gefährdet" eingestuft.
Das ist nur noch eine Stufe vor der Kategorie "ausgestorben", wie die Weltnaturschutzunion (IUCN) in Genf mitteilte.
Die Ebola-Seuche in Afrika hat die Lage in den vergangenen 15 Jahren so zugespitzt, dass die Bestandserholung der Unterart Westlicher Flachlandgorilla (Gorilla gorilla gorilla) fraglich scheint. Die eigentliche Ursache der Bedrohung aber ist die Einschränkung des Lebensraums durch Rodung, Jagd und Bürgerkriege. "Menschenaffen sind unsere nächsten lebenden Verwandten und sehr besondere Wesen", sagte der Leiter der Primaten-Abteilung bei der IUCN, Russ Mittermeier. "Wir könnten alle übrig gebliebenen großen Affen in der Welt in zwei oder drei Fußballstadien stecken. Es sind einfach nicht sehr viele übrig geblieben." Bereits in zehn bis zwölf Jahren könnten die ersten Menschenaffenarten ausgestorben sein.
Die Rote Liste der IUCN führt insgesamt 16.306 gefährdete Arten auf, 188 mehr als noch im vergangenen Jahr. Betroffen sind 70 Prozent der Pflanzenarten, ein Drittel aller Amphibien, ein Viertel der Säugetiere und jede achte Vogelart. "Das Leben auf der Erde verschwindet schnell", warnte die Organisation. "Dies wird so weitergehen, wenn nicht dringend Gegenmaßnahmen ergriffen werden."
Beim Chinesischen Flussdelfin (Lipotes vexillifer) ist es vermutlich schon zu spät. Seit 2002 wurde er nicht mehr nachweisbar gesichtet. Bei den Vögeln wurde die Situation des in Asien beheimateten Kahlkopfgeiers (Sarcogyps calvus) von der Kategorie "nahezu bedroht" auf "kritisch bedroht" heraufgestuft. Für den dramatischen Bestandsrückgang dieser Art wird die Behandlung von Vieh mit dem Schmerzmittel Diclofenac verantwortlich gemacht - wenn der Kahlkopfgeier damit behandelte tote Tiere verzehrt, wird er davon vergiftet.
Besorgniserregend ist die Lage für den Ganges-Gavial (Gavialis gangeticus). Von dieser Krokodilart gibt es nur noch 182 erwachsene Tiere, 60 Prozent weniger als vor einem Jahrzehnt. Zum Verhängnis wurde dem Ganges-Gavial der Bau von Dämmen und die Begradigung von Flüssen in Indien und Nepal.
Bei den Pflanzen ist die zu den Begonien gehörende Begonia eiromischa die einzige Art, die binnen Jahresfrist für ausgestorben erklärt wurde. Trotz intensiver Suche konnte diese Art in Malaysia nicht mehr gefunden werden. Sie gehören nun zu den 785 Tier- und Pflanzenarten, die verschwunden sind. Die Gesamtzahl der Arten ist nicht bekannt, sie wird auf etwa 15 Millionen geschätzt. Wissenschaftlich dokumentiert wurden bislang aber nur etwa 1,75 Millionen Arten.
"Wenn wir weiter die Welt der Natur zerstören, untergraben wir das System, von dem auch unser Überleben abhängt", sagte Mittermeier. "Wir werden wahrscheinlich die Auslöschung der Menschenaffen überstehen. Aber sie sind das Sinnbild unseres allgemeinen Fehlverhaltens gegenüber der natürlichen Umwelt, was sich auch in der Klimakrise, dem Wassermangel in vielen Teilen der Welt und erhöhter Verletzlichkeit bei Naturkatastrophen zeigt."
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