Rote Liste der gefährdeten Wirbeltiere vorgelegt: Deutschland kann Artensterben bis 2010 nicht stoppen
zuletzt aktualisiert: 06.10.2009 - 13:35Berlin (RPO). Deutschland wird voraussichtlich das EU-Ziel verfehlen, das Artensterben bis 2010 zu stoppen. Das erklärte die Präsidentin des Bundesamts für Naturschutz, Beate Jessel, am Dienstag in Berlin. Sie legte die Rote Liste der gefährdeten Wirbeltiere im Bundesgebiet vor.
Demnach ist der Feldhamster stark gefährdet. Aber auch der Wolf und die Fledermaus Großes Mausohr kämpfen im Bundesgebiet weiter ums Überleben. Diese Rote Liste wird alle zehn Jahre vorgestellt.
Jessel sagte, es gebe nicht nur schlechte Nachrichten. So habe durch konsequenten Naturschutz beispielsweise die Zahl der Fischotter stabilisiert werden können. Insgesamt aber gelte: "Nach gegenwärtigem Stand wird Deutschland das 2010-Ziel der EU, den Rückgang der biologischen Vielfalt zu stoppen, für den Bereich des Artenschutzes deutlich verfehlen", sagte Jessel.
Die Bilanz der Naturschützer umfasst die 478 heimischen Arten der Säugetiere, Brutvögel, Kriechtiere, Lurche, Süßwasserfische und Neunaugen. Von ihnen gelten 43 Prozent oder 207 Arten als gefährdet. Fast 28 Prozent oder 132 Arten sind sogar aktuell bestandsgefährdet. "Zusammen mit den bereits verschwundenen 32 Arten droht Deutschland damit der Verlust von einem Drittel seiner terrestrischen Wirbeltierfauna", heißt es in dem Bericht des Bundesamts für Naturschutz.
Kriechtiere besonders gefährdet
Trotz regional ermutigender Entwicklungen wie bei der Mauereidechse und Äskulapnatter sind die Kriechtiere die in Deutschland am stärksten gefährdete Wirbeltiergruppe. Von den 13 heimischen Arten sind über 60 Prozent bestandsgefährdet, darunter die Sumpfschildkröte und die Würfelnatter. Dies hängt wesentlich mit der Lebensweise der Wärme liebenden Kriechtiere zusammen, denn günstige Ruhe- und Eiablage-Plätze in sonniger Lage sind für sie selten geworden.
Alarmierend nennt das Bundesamt die unverändert starken Rückgänge bei Feldhamster, Seggenrohrsänger, Rotkopfwürger, Kampfläufer, Großtrappe, Goldregenpfeifer, Alpenstrandläufer, Seeregenpfeifer, Bekassine, Wendehals und Kiebitz. "Hier ergibt sich für den Naturschutz weiterer Handlungsbedarf, insbesondere in Zusammenarbeit mit der Landwirtschaft", sagte Jessel. Ackergebiete, in denen noch Feldhamster lebten, dürften nicht völlig ausgeräumt werden.
Für Brutvögel der Feuchtwiesen wie Kiebitz, Bekassine, Kampfläufer, Alpenstrandläufer und Seggenrohrsänger ist es notwendig, die Zerstörung ihrer Lebensräume durch Entwässerung und Nutzungsänderungen endlich zu stoppen. Einer immer intensiveren Landnutzung fallen auch der Wendehals und der Rotkopfwürger als Bewohner der mageren Trockenrasen und Heiden zum Opfer.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum








