Station Neumayer III in Antarktis eingeweiht: Deutschlands Vorposten im ewigen Eis
zuletzt aktualisiert: 20.02.2009 - 16:16Berlin (RPO). Deutschlands bisheriger Vorposten im ewigen Eis der Antarktis ist versunken. 15 Meter liegt die Polarstation Neumayer II inzwischen unter der Schneeoberfläche. Zeit für einen Neubau. Der - Neumayer III genannt - wurde am Freitag offiziell eingeweiht.
Die mehr als 13.000 Kilometer von Deutschland entfernte Basis des Bremerhavener Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung (AWI) wurde mit einem eigens entwickelten System ausfahrbarer Hydraulikstützen gebaut. Damit kann die Station kontinuierlich angehoben werden, hat immer den gleichen Abstand zur Oberfläche und kann nicht von Eis und Schnee erdrückt werden.
Mit Neumayer III schaffe Deutschland die Voraussetzung dafür, die politischen und wissenschaftlichen Anforderungen der internationalen Antarktisforschung zu erfüllen, sagte Schavan.
AWI-Direktorin Karin Lochte, die sich anlässlich der Einweihung in der Antarktisstation aufhält, sagte während einer Liveschaltung, der Neubau stehe für internationale Forschungskooperationen offen.
Die deutschen Wissenschaftler stellen beispielsweise Datensammlungen zur Meteorologie und Klimaentwicklung zur Verfügung, ebenso erforschen sie die Atmosphäre und und den Ozean, insbesondere das Meereis und den Anstieg des Meeresspiegel. Erstmals könne auch das Verhalten der Wale und Robben untersucht werden, sagte Lochte.
Durch einen jährlichen Schneezutrag von etwa 80 Zentimetern liegt die Neumayer-Station II mittlerweile 15 Meter unter der Schneeoberfläche. Durch die Bewegung und den Druck des Eises sind die Stahlröhren stark verformt, so dass ein sicherer Betrieb nicht länger gewährleistet ist.
Die technischen Daten der Station: Gesamtgewicht 2300 Tonnen, Breite 26 Meter, Länge 68 Meter, Gesamthöhe 29 Meter, Höhe der Station: 21 Meter (ab Eisoberfläche), Nutzfläche 4473 Quadratmeter, davon 1850 klimatisiert.
"Bislang ungekannte Möglichkeiten"
Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) bezeichnete die Station als ein "Meisterstück der Ingenieurkunst und ein Labor mit bislang ungekannten Möglichkeiten". Für die Wissenschaftler im Eis beginne eine neue Ära, sagte Schavan in Berlin.
Die Präsident der ebenfalls an der Aktion im ewigen Eis beteiligten Helmholtz-Gemeinschaft, Jürgen Mlynek, sagte, Neumayer III sei die erste Polarstation mit Fenstern. Die neue Station, die 6,5 Kilometer südlich von der alten steht, soll den Forschungsbetrieb in der Antarktis für die kommenden 25 bis 30 Jahre gewährleisten.
Die in sieben Monaten errichtete Forschungsbasis kostete den Angaben zufolge 40 Millionen Euro und damit letztlich 14 Millionen Euro mehr als geplant. Zu 90 Prozent wurde die Einrichtung, die als modernste der Welt gilt, aus Mitteln des Bundesforschungsministeriums finanziert.Die restlichen zehn Prozent teilen sich die Bundesländer Brandenburg, Bremen und Schleswig-Holstein.
Sauna inklusive
Die Kosten für den Betrieb der Station werden sich nach Ministeriumsangaben zwischen sechs und sieben Millionen Euro im Jahr belaufen. Die Einrichtung hat drei oberirdische Etagen, zwölf Laborräume, 40 Schlafplätze, eine große Lounge und eine Sauna.
Die Bauteile wurden zum Großteil in Bremerhaven angefertigt und vormontiert. Im November 2007 war ein Spezialfrachter mit dem ersten Material zur Eiskante der Atka-Bucht gestartet. Seit 1981 betreibt das AWI die einzige deutsche Forschungsstation in der Antarktis, die ganzjährig mit Wissenschaftlern besetzt ist.
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