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Journalist spekuliert: Eine Welt ohne Menschen?

VON JAN POPP-SEWING - zuletzt aktualisiert: 03.09.2007 - 08:56

Düsseldorf (RPO). Was passiert, wenn die Menschheit morgen verschwindet? Wie geht es dann mit der Erde weiter? In seinem neuen Buch gibt der US-Journalist Alan Weisman einige überraschende Antworten.

Das Gedankenexperiment scheint ebenso beängstigend wie irreal: Wenn Homo Sapiens plötzlich das Antlitz des Planeten verlassen würde, wie ginge es dann weiter mit Tieren, Pflanzen und den Relikten unserer Zivilisation? Wie würden die Städte in 50 oder 500 Jahren aussehen? Was würde von uns bleiben? Würden die Wunden heilen, die die Industrialisierung geschlagen hat? Und wenn ja, wann?

Um das zu beantworten hat US-Journalist Alan Weisman Biologen, Physiker und Architekten befragt und die Recherche im Buch „Die Welt ohne uns“ (Verlag Piper, 19,90 Euro) zusammengefasst. Die Ergebnisse sind vielfach verblüffend.

Vor allem in den großen Städten würde man bald Veränderungen bemerken. Müll und Staub werden auf die Straßen geweht. Bald sprengen Bäume und Pflanzen den Beton auf. Düsseldorfs Schlaglöcher würden grün. Laub, dass die Kanalisation verstopft, sorgt im Zusammenspiel mit Regenfällen für Überschwemmungen. In Städten, die auf die kontinuierliche Arbeit von Pumpen angewiesen sind, wie etwa New York, würden sich bald Bäche und Seen bilden. Grundlage für Biotope mitten auf einstigen Einkaufsstraßen.

Nutznießer unseres Verschwindens wären Flora und Fauna. Nach und nach würden Tiere und Pflanzen ihren alten, zersiedelten Lebensraum zurückgewinnen. Von unseren Haustieren wären vermutlich nur die Katzen und einige Pferde und Hunde ohne uns lebensfähig. Weismans Prognose: Auch die Ratten würden dezimiert, da keine menschlichen Abfälle mehr anfallen.

Doch in den Tier-Populationen käme es zu weit größeren Verschiebungen. Die afrikanischen Rinder, die jetzt noch von ihren Hirten vor Raubtieren geschützt werden, würden eine fette Beute für Löwen werden. An ihre Stelle würden wohl die schnelleren Gnus und Antilopen treten, die großen Gewinner der Welt ohne Menschen. Die Zahl der afrikanischen Elefanten dürfte nach seiner Schätzung von einer halben auf zehn Millionen hochschnellen. Am schnellsten würden sich wohl Fische und Meeressäuger in den Weltmeeren erholen.

Ein Vermächtnis der Menschen wäre ein strahlendes Erbe. 441 Kernkraftwerke und circa 30.000 Nuklearsprengköpfe existieren weltweit. Ohne menschliche Kontrolle würden sich die Kraftwerke (hoffentlich) abschalten. Doch auch heruntergefahrene Reaktoren produzieren noch Wärme. Irgendwann wird das Kühlwasser verdampft sein. Brände und Kernschmelzen wären unvermeidlich. Irgendwann würden auch die Hüllen der Kernwaffen durchrosten und Plutonium freisetzen. Die aufblühende Natur müsste ein hundertfaches Tschernobyl verkraften. Weite Teile des Planeten wären für Jahrhunderte verstrahlt.

Das Erbgut vieler Tierarten würde durch die erhöhte Radioaktivität stark verändert. Ob das zum Aussterben ganzer Arten oder zur Herausbildung von besonders angepassten Exemplaren führt, wäre natürlich Spekulation.

Ob dieses Szenario eines nahen oder fernen Tages Wirklichkeit wird oder nicht: Im Weltall hat sich unsere Spezies bereits für alle Zeiten deutlich hörbar verewigt: Und zwar durch die Radio- und TV-Signale, die mittlerweile einen Raum von gut 60 Lichtjahren um unseren Heimatplaneten ausfüllen, Mit Lichtgeschwindigkeit breiten sie sich weiter in der Unendlichkeit aus. Möglicherweise werden eines Tages verkriselte Bilder eine Krawall-Talkshow das einzige sein, was Außerirdische an eine ausgestorbene Menschheit erinnert.

Quelle: RPO

 
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