Korallenwelt am Großen Barriere-Riff vor dem Aus: Einem der größten Naturwunder droht Zerstörung
zuletzt aktualisiert: 22.02.2004 - 10:19Sydney (rpo). Es gilt als eines der größten Naturwunder der Erde: Das Große Barrier-Riff in Australien mit seinen 2900 untereinander verbundenen Korallenriffen. Die Korallen werden nach einer Studie in den nächsten 50 Jahren weitgehend verschwinden.
Die Wassertemperatur des Pazifischen Ozeans werde so schnell ansteigen, dass die größte Korallenkette der Welt sich nicht rechtzeitig darauf einstellen könne, heißt es in dem Bericht des Zentrums für Meeresstudien an der Universität von Queensland. Gleichwohl will die australische Regierung das Kyoto-Protokoll zum Klimaschutz nicht unterzeichnen.
Selbst unter den günstigsten Bedingungen werde die Korallendecke bis zur Mitte dieses Jahrhunderts an den meisten Stellen des Riffs auf weniger als fünf Prozent schrumpfen, heißt es in der Studie, von der Auszüge in der Wochenendausgabe des "Sydney Morning Herald" erschienen. Zu Grunde gelegt wurden Untersuchungen, wonach ein Anstieg der Wassertemperatur um weniger als ein Grad Celsius bereits verheerende Auswirkungen auf die Korallenwelt hat. Die kleinen Nesseltiere sterben dann ab und verlieren zuvor schon ihre leuchtend rote Farbe.
Anstieg der Wassertemperatur bedeutet das Aus
Wissenschaftler sagen für den Pazifik in den nächsten 50 Jahren einen Anstieg der Wassertemperatur um zwei bis sechs Grad Celsius voraus. Die würde praktisch das Aus für die Korallenwelt bedeuten, heißt es in der Studie, die von der Umweltstiftung WWF und der Tourismusbehörde von Queensland in Auftrag gegeben und teilweise von der australischen Regierung finanziert wurde. Das 2.000 Kilometer lange Riff im Nordosten Australiens ist eine der bedeutendsten Touristenattraktionen der Welt und trägt entscheidend zum nationalen Einkommen bei. Seine Zerstörung bedeutet der Studie zufolge Milliardenverluste für den australischen Staat.
Die Regierung hat bereits Maßnahmen zum Schutz des Riffs eingeleitet. So steht seit vergangenem Jahr ein Drittel der Fläche unter Naturschutz, vorher waren es lediglich 4,5 Prozent. In diesem Gebiet ist der Fischfang verboten, kontrollierter Tourismus ist jedoch erlaubt. Die nunmehr vorgestellte Studie bezeichnete ein Sprecher des Umweltministeriums als "guten Diskussionsbeitrag" zur Zukunft des Riffs. Eine Unterzeichnung des Kyoto-Protokolls komme für die Regierung gleichwohl nicht in Frage, da es sich um keinen weltweit gültigen Vertrag handele.
Größter lebender Organismus der Erde
Im Protokoll von Kyoto versprachen die Industriestaaten 1997, ihre Treibhausgasemissionen bis 2012 um rund fünf Prozent unter das Niveau von 1990 zu senken. Die Vereinbarung ist allerdings noch immer nicht in Kraft getreten, weil sie noch nicht von genügend Ländern gebilligt wurde. Die Vereinigten Staaten lehnen eine Ratifizierung rundheraus ab, von Seiten Russlands steht dieser Schritt trotz gegenteiliger Zusagen immer noch aus.
Das Große Barrier-Riff mit seinen 2900 untereinander verbundenen Korallenriffen gilt als größter lebender Organismus der Erde. Es diente als Vorlage für die prächtig-bunte Unterwasserwelt in dem Zeichentrickfilm "Findet Nemo".
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