Asteroid vom Anflug bis zum Aufprall auf Erde verfolgt: "Einschlag heute Nacht!"
zuletzt aktualisiert: 26.03.2009 - 16:30London (RPO). Wissenschaftler haben erstmals Überreste eines Asteroiden bergen können, den sie zuvor im Anflug auf die Erde beobachtet hatten. Wie die US-Forscher im britischen Fachblatt "Nature" berichteten, wurde der autogroße Gesteinsbrocken zur Überraschung der Fachwelt Anfang Oktober von einem Hobby-Astronomen entdeckt - nur wenig Stunden vor dem Eindringen in die Erdatmosphäre.
Hastig angestellte Berechnungen ergaben, dass er größtenteils in der Erdatmosphäre verglühen würde, aber Überreste in der Wüste im Nordsudan niedergehen würden. Tatsächlich fand ein Suchtrupp dort dann im Dezember 280 Fragmente mit einem Gewicht von mehreren Kilogramm.
"Es ist einzigartig, dass wir dieses Objekt vor dem Auftreffen auf die Erdatmosphäre gesehen haben und ihm dann folgen konnten", schreibt Ko-Autor Douglas Rumble von der Carnegie Institution. Der Hobbyastronom hatte demnach die Koordinaten am 6. Oktober ans Minor Planet Center in Cambridge im US-Bundesstaat Massachusetts weitergegeben, wie "Nature" berichtete.
Merkwürdigerweise weigerte sich der dortige Computer aber, eine korrekte Bahn für den 2008 TC3 getauften Brocken aus dem All zu berechnen. Der Institutsleiter ermittelte dann "von Hand", dass der Asteroid auf Kollisionskurs mit der Erde war.
Für die gewöhnlich in Lichtjahren rechnenden Astronomen war der Fund ein Schock. Denn es blieben nur noch 13 Stunden, bis er mit der Kraft von zwei Kilotonnen TNT auf die Erdatmosphäre treffen würde.
"So etwas habe ich im meinen Leben noch nie erlebt", sagte der gleichfalls alarmierte Wissenschaftler Steve Chesley vom Jet Propulsion Laboratory im kalifornischen Pasadena. In Windeseile wurde über das Internet in Forscherkreisen weltweit Alarm gegeben: "EINSCHLAG HEUTE NACHT!!!", hieß es in den Botschaften laut "Nature".
Durch den Hinweis konnte ein Pilot eines Passagierflugzeuges auf dem Weg von Südafrika nach Europa die Explosion über dem Sudan live, aber aus sicherer Distanz miterleben. Der US-Wissenschaftler Peter Jenniskens flog dann im Dezember in den Sudan und suchte mit einem Kollegen und Studenten von der Universität Khartum nach Überresen des Brockens.
Chemische Analysen der Fragmente sollen nun mit den Spektralmessungen des anfliegenden 2008 TC3 verglichen werden. Dies soll helfen, die Entdeckung solcher Kleinasteroiden im Anflug zu verbessern - damit die Erde nicht noch einmal von einem plötzlich auftauchenden Gast aus dem Weltall überrascht wird.
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