Studie: Elefanten nicht betrunken durch faules Obst
zuletzt aktualisiert: 06.12.2005 - 14:30Irvine (rpo). Wer kennt sie nicht: die lustig torkelnden Elefanten in dem Filmklassiker "Die lustige Welt der Tiere"? Jahrelang glaubte man, dass die Dickhäuter durch den Genuss der faulen Marula-Früchte einen Schwips bekämen und daher betrunken durch die Sahara torkelten. Nun haben Forscher eine andere Erklärung gefunden.
Biologen der Universität in Bristol halten es für praktisch unmöglich, dass die Dickhäuter durch den Genuss fauler Marula-Früchte einen Schwips bekommen können. Dazu müssten die Tiere nämlich Unmengen des gärenden Obstes zu sich nehmen, da der Alkoholgehalt der Früchte nur bei etwa drei Prozent liegt. Die Ursache für die oft beobachteten Rauschzustände der Elefanten sind nach Meinung der Wissenschaftler vielmehr giftige Käferpuppen, die die Elefanten zusammen mit der Rinde der Marula-Bäume fressen. Steve Morris und seine Kollegen berichten über ihre Vermutungen in einer kommenden Ausgabe des Fachmagazins "Physiological and Biochemical Zoology".
Dass Elefanten dem Alkohol alles andere als abgeneigt sind, beweisen Berichte über Dickhäuter, die in Bier- und Weinlager eingedrungen sind. Schon länger bekannt ist auch die Vorliebe der Tiere für Marula-Bäume: Sobald deren Früchte reif sind, tummeln sich zahlreiche Elefanten in der Nähe der Bäume, um ihren Appetit zu stillen. Obwohl sie dabei Früchte bevorzugen, die noch am Baum hängen, verschmähen sie auch bereits herabgefallene Exemplare nicht.
Nach drei bis vier Tagen am Boden hat sich in diesem Fallobst durch Gärungsprozesse ein Alkoholgehalt von etwa drei Prozent entwickelt. Bisher dachten Forscher, das Fressen dieser alkoholhaltigen faulen Früchte versetze die Elefanten in einen Rauschzustand. Nach Meinung der britischen Biologen wäre das aber nur möglich, wenn die Tiere ohne Wasser zu trinken ausschließlich Marula-Früchte fressen würden, und zwar mindestens das 400-fache der maximal aufgenommenen Nahrungsmenge. Zudem müssten dabei alle Früchte mindestens drei Prozent Alkohol enthalten. Nur unter diesen Voraussetzungen würde etwa ein drei Tonnen schwerer Dickhäuter genügend Alkohol aufnehmen, um davon in einen Schwips zu bekommen.
Die Biologen glauben daher, die Elefanten verdanken ihren torkelnden Gang nicht dem Fressen der faulen Früchte, sondern vielmehr der Rinde der Marula-Bäume: In dieser leben bestimmte Käferpuppen, die Einheimische traditionellerweise zum Anfertigen giftiger Pfeilspitzen verwenden. Das in den Puppen enthaltene Gift könnte nach Ansicht der Forscher bei den Elefanten den oft beobachteten wankenden Gang auslösen und ihnen damit den Ruf als Trunkenbolde eingebracht haben.
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